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Amon Amarth - Berserker 2019

Mit „Berserker“ veröffentlichen AMON AMARTH ihr mittlerweile elftes Studioalbum. Nachdem „Surtur Rising“ und „Deceiver Of The Gods“ bei vielen Fans eher gemischte Gefühle hervorgerufen hatten, konnte das 2016er „Jomsviking“ wieder mehr überzeugen. Auf ihrer Ende 2018 erschienenen Live- und Doku-DVD „The Pursuit Of Vikings: 25 Years In The Eye Of The Storm“ stellten sie außerdem einmal mehr eindrucksvoll ihre Live-Qualitäten unter Beweis und zeigten darüber hinaus, wie weit sie in ihrer 25-jährigen Bandgeschichte gekommen sind. Vor allem „Jomsviking“, das frischer und unvorhersehbarer klingt als vieles andere, was AMON AMARTH bisher veröffentlicht haben, weckte hohe Erwartungen an ein Folgealbum. Dementsprechend hat „Berserker“ eine vielleicht größere Hürde zu überwinden als so manch anderer Release.

Heroisch und pagan beginnt das Intro von „Fafner’s Gold“ mit Akustikgitarren, die schnell von E-Gitarren abgelöst werden und ein episches Momentum aufbauen. Das Riffing ist jedoch viel mehr im traditionellen Heavy Metal zu verordnen. Mehr noch, als je zuvor. Dass diese Heavy Metal Orientierung nicht vorherrscht, aber dennoch ein wichtiger Aspekt auf „Berserker“ ist, zeigen die folgenden Songs. Ob „Crack The Sky“ eine Anspielung auf die US-amerikanischen Sludge/Prog Metaller von Mastodon ist, bleibt unklar.

Der Song wird in einem Video passend inszeniert und überzeugt mit gallopierenden Anspielungen auf Iron Maiden, die den Heavy Metal-fokussierten Sound von „Berserker“ unterstreichen. Auch ein dezentes Gitarrensolo in sehr klassischem Sound macht „Crack The Sky“ zu einem Song, der seine Zielgruppe wohl eher in den älteren Hörern des aktuellen Metalgeschehens sieht. Es scheint fast, als würde Johan Hegg sich an gewöhnlichen Gesang herantrauen, doch kommt der halbgesungene Part nicht gänzlich ohne Stimmverzerrung aus.

„Valkyria“ kommt unerwartet technisch daher und erinnert so sogar ein wenig an die Franzosen von Gojira, wenn auch wirklich nur im Unterton. Dennoch scheint „Valkyria“ einer der aufregendsten Songs auf „Berzerker“ zu sein, der mit guter Balance und drückendem Riffing, sowie feinen Melodielinien Hörspaß bereitet. Durch die sehr eingängige Gitarrenmelodie eignet sich „Valkyria“ wohl nicht nur als Single, sondern wäre auch einer der Songs, der live bestens funktionieren dürfte! Auch das bisher nur wenig gesäte Melodic Death Metal Riffing ist hier präsenter. Abgerundet wird das Lied durch eine schön in Szene gesetzte Klavierpassage, die mit verdammt viel Hall leicht bezaubernd wirkt und die Eingängigkeit des Tracks melodiös unterstreicht.

„Into The Dark“ beginnt mit Streichern und Klavierakkorden in einer erneut sehr epischen Klanglandschaft, in der sich die Gitarren in den Vordergrund drängen. Ähnlich wie „The Berserker At Stamford Bridge“ treibt der Song in eher heroischem und mittleren Tempo und fokussiert sich auf simple Melodien und den harschen Gesang von Johan Hegg. Die drückenden Riffs stehen im Wechselspiel mit einem typischen Amon Amarth Chorus, der auch „Into The Dark“ unverkennbar in den Sound der Schweden ordnet. Ins dunkle führen auch wieder die leicht sinfonisch beeinflussten Streicher, die „Into The Dark“ angeführt haben und nun auch abschließen.

Amon Amarth spielen auch in den Texten von „Berserker“ mit den gewohnten Wikinger Klischees. Man beachte alleine die Titelgebung der einzelnen Tracks, sowie die Aufmachung des Artworks. Die Kunst, die Amon Amarth aber meistern ist, dass diese Konzeption allerdings nicht aufgezwungen, sondern authentisch bleibt. Ein Grund dafür könnte sein, dass Amon Amarth in überzeugender Stringenz an ihrem Wikingerimage festhalten und sich damit bereits etabliert haben. Dennoch wirkt hier nichts peinlich oder aufgedrängt, sondern alles authentisch und auf eigene Art und Weise auch originell. Dies mag auch dem fundamentiert sein, dass es kaum andere Wikinger-thematisierende Bands gibt und diese meist an Amon Amarth gemessen werden. Denn die Schweden haben sich hier an die Spitze positioniert und den Gipfel werden sie wohl bis zum bitteren Untergang verteidigen.

Den Hammer Mjölnir kann zwar nur Thor selbst schwingen, bei „Berserker“ entsteht allerdings der Eindruck, AMON AMARTH hätten die Erlaubnis des Donnergottes, uns mit dem Ding eine neue Hit-Granate vor den Latz zu knallen.

Tracklist

1. Fafner's Gold
2. Crack The Sky
3. Mjolner, Hammer Of Thor
4. Shield Wall
5. Valkyria
6. Raven's Flight
7. Ironside
8. The Berserker At Stamford Bridge
9. When Once Again We Can Set Our Sails
10. Skoll And Hati
11. Wings Of Eagles
12. Into The Dark

Line-Up:

Ted Lundström – Bass
Olavi Mikkonen – Guitars
Johan Hegg – Vocals
Johan Söderberg – Guitars
Jocke Wallgren – Drums

 

Amon Amarth - Raven's Flight