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Angra - OMNI (Japanese Edition) 2018

 

 

 

Gegründet 1991 als bis heute wahrscheinlich bekannteste Power Metal Band Sao Paulo’s haben Angra ihren Sound stets weiterentwickelt und sind nach ihrem Meisterwerk Temple Of Shadows immer weiter in die Progressive Metal-Schiene gerutscht. Auf dem 2014er-Meisterwerk Secret Garden noch dabei, mussten sich die Brasilianer jetzt leider von langjährigem Gitarristen und Co-Songwirter Kiko Loureiro trennen, der jetzt als festes Mitglied bei Megadeth das Griffbrett rauf und runter schreddert. Doch mit Besetzungswechseln haben Angra ja bereits in der Vergangenheit mehrfach Erfahrung gesammelt und stecken auch diesen ohne große Veränderung an ihrem Sound weg.

Mit ØMNI  erscheint nun das zweite ANGRA-Album unter der neuen Führung von Fabio Lione – und das neunte im Sinne der hiesigen, insgesamt eher durch Qualität anstatt durch Quantität überzeugenden Komplett-Diskografie. Auf den ersten Blick scheint sich dabei nicht allzu viel geändert zu haben im Rahmen der von ANGRA angepeilten Marschrichtung: noch immer sind die Brasilianer relativ problemlos als Band zu erkennen, die nicht erst seit gestern Musik machen – und noch immer setzen sie gerne mal auf etwas vertracktere respektive progressive Strukturen, die man so eigentlich nur ANGRA zuschreiben kann. Und auch wenn ANGRA mittlerweile – und das nicht zuletzt durch die neue Besetzungsstrategie – etwas weniger typisch brasilianisch klingen als dereinst, so wissen die neu gefundenen Alternativen mindestens ebenso sehr zu überzeugen.

als erstes fällt im direkten Vergleich schon mal auf, dass ANGRA seit „Temple Of Shadows“ mit deutlich mehr Feingefühl an die Sache herangehen. Diese Poltrigkeit hat die Band zurückgefahren für einen Sound, der deutlich geschmeidiger aber nicht minder kraftvoll daherkommt. So bietet „Ømni“ ein aufgeräumteres, angenehmeres Hörvergnügen, das einem nicht gleich einen Scheitel zieht. Okay doch, ANGRA sind eben doch immer noch trotz diverser Besetzungswechsel dieselben, aufgeweckten Kraftpakete. Nur macht das mit dem Scheitelziehen dank einer feineren Produktion nun mehr Spaß als vorher. Man findet relativ leicht in den Sound der Brasilianer hinein. Und natürlich macht auch die im Vergleich zu Edu Falaschi etwas weniger schrille Stimme von Fabio Lione (u. a. RHAPSODY OF FIRE), der seit dem Vorgänger mit von der Partie ist, einen Unterschied – insgesamt angenehmer zu hören.

Dennoch macht die Band von Beginn an unmissverständlich klar, mit wem wir es hier zu tun haben. „Light Of Transcendence“ eröffnet das Album mit einem Donnerschlag, der gar nicht erst höflich um Eintritt bittet. Nein, eingetreten wird, allerdings vor allem die Tür, die sogleich direkt ins Gesicht des Hörers fliegt. Ohne Umschweife umgarnen die heißblütigen Power-Metal-Heroen diesen dann mit großen Melodien und Bombast, der erstaunlich subtil daher kommt. Was wie ein Widerspruch in sich anmutet, machen die Brasilianer tatsächlich zu ihrer großen Stärke. Die symphonische Komponente ihres Sounds hält sich zumeist im Interesse einer deutlich höheren Metal-Gewichtung zurück, nur um dann im richtig Moment zuzupacken und voll ins Schwarze zu treffen.

Dabei legen ANGRA eine Eleganz aufs Parkett, die den Songs wunderbar in die Karten spielt. Man möchte ja nicht meinen, dass Power Metal mit Feinfühligkeit sonderlich gut miteinander einher gehen. Und zugegeben ist „Eleganz“ natürlich ein großes Wort. Gemeint ist eine gewisse Gediegenheit innerhalb der Songs, welche diese natürlich und ungezwungen klingen lässt. So lässt die Qualität selbst bei der Ballade „Bottom Of My Soul“ – üblicherweise ein Stolperstein für viele Bands – nicht nach. Das hat die Platte sicher auch dem guten Songwriting zu verdanken, das immer wieder interessante Wendungen zu vollführen vermag. Sei es durch passende Harmoniewechsel in der Bridge wie in „Travelers In Time“ oder der Einsatz folkloristischer Elemente wie in „Caveman“. Daneben gibt es natürlich in Songform gegossene Energiebündel wie „Insania“, die einen einfach nur beim Schopfe packen und mitreißen.

Als Sahnehäubchen gibt es die für die Band irgendwie zum Markenzeichen gewordenen, prominenten Gastauftritte. Neben dem ehemaligen Gitarristen Kiko Loureiro, der „War Horns“ veredelt, hat sich auch unter anderem Alissa White-Gluz eingefunden, die bei „Black Widow’s Web“ zum Einsatz kommt.

Angra können einfach nicht enttäuschen und so haben die fünf Brasilianer mit Ømni ein weiteres Meisterwerk veröffentlicht, das man nur jedem Power und Prog Metal-Fan wärmstens ans Herz legen kann.

Tracklist

1. Light of Transcendence (04:36)
2. Travelers of Time (04:40)
3. Black Widow’s Web (05:49)
4. Insania (05:31)
5. The Bottom of My Soul (04:19)
6. War Horns (04:43)
7. Caveman (05:53)
8. Magic Mirror (06:58)
9. Always More (04:43)
10. ØMNI – Silence Inside (08:31)
11. ØMNI – Infinite Nothing (05:14)

 

Angra - Black Widow's Web - feat. Alissa White - Gluz & Sandy - Official Music Video