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Arch Enemy - Will To Power 2017

Arch Enemy gehören vielleicht zu den mutigsten Bands dieser Zeit.

Arch Enemy - Will To Power 2017



Arch Enemy gehören vielleicht zu den mutigsten Bands dieser Zeit. Sorgte bei WAR ETERNAL die Neubesetzung am Mikrofon noch für einen Einschlag (den das Album dank einmalig starker Songs locker verwinden konnte), sind es diesmal die musikalischen Entwicklungen und Öffnungen, mit denen die Band viel wagt - und alles gewinnt.

Bandchef Michael Amott zufolge hat sich die Philosophie seiner Band seit der Gründung im Jahr 1996 nicht sonderlich geändert: „Wir wollen intensiven Heavy Metal spielen, mit extremem Gesang und viel Melodie in den Gitarren.“ Nun, diesem (formal umschriebenen) musikalischen Vorhaben folgen zugegebenermaßen eine ganze Heerschar von Bands - nur macht es eben aktuell keine besser als Arch Enemy.
Qualitativ trennt auch das Jubiläumsalbum (WILL TO POWER ist Studioscheibe Nummer zehn) die Melodic Death-Spreu vom spröden Weizen. Und das liegt wieder einmal hauptsächlich an der unvergleichlich gefühl- wie druckvollen Aktion von Amott, dessen Gitarrenspiel wortlose Geschichten in Serie erzählt. Damit steht er in einer Reihe mit Ikonen wie Michael Schenker oder Gary Moore. Stilistisch vielleicht nicht vergleichbar, doch bezüglich des „sechsten Sinns“ durchaus.
Hier verschmelzen Künstler und Instrument zu einer absoluten Einheit. Amott kreiert Atmosphären, die im Grunde den melodischen Tod nur als vagen Rahmen nehmen, sich aber nie von ihm vereinnahmen lassen. Wer auf WILL TO POWER allein den Soli lauscht, entdeckt noch ganz andere Genres: Classic Rock und Metal, Blues und Prog. Oder auch klassische Musik. Wer die große Gitarrenkunst im Metal sucht, kommt an dem 47-jährigen Schweden also auch anno 2017 nicht vorbei.

Los geht es aber erstmal recht gewohnt; mit Sirenen und Funkgerät-Gebrabbel im Hintergrund. Anschließend wird von einer Durchsage der Ausnahmezustand ausgerufen. Auch fast obligatorisch: die militärisch anmutenden Drums. ARCH ENEMY wären wohl nicht ARCH ENEMY, wenn sie nach dem Intro nicht direkt schnell und hart einsteigen würden. “The Race” stellt sich als echter Moshpit-Garant heraus und dürfte in Zukunft wohl zu einem echten Konzertliebling werden. Gleiches gilt wenig später für “The World Is Yours”
Die angekündigten, ungewohnten Klänge finden sich dann in der Mitte des Albums. Am auffälligsten an “Reason To Believe” ist gleich zu Anfang der Klargesang, den man von Alissa White-Gluz zwar von früher kennt, aber doch schon länger nicht mehr gehört hat. Musikalisch erinnert der Song an rohe Rockstücke. Man stellt sich die Frage, ob das nun eine Ballade ist. Michael Amott stellt klar, dass dem so ist. Er sagt: “Es ist immernoch ein ziemlicher Metal-Song, aber es führt kein Weg daran vorbei, dass es eine Ballade und für eine Band wie uns vielleicht recht kontrovers ist.”

Set Flame To The Night
Atmosphärisches Instrumental-Intro.

The Race
Beginnt mit heftigem Death Metal. Das Schlagzeug mahlt, Alissa grollt, die Gitarren grooven mit dezenter Melodie. Der Refrain hat es eilig und kann einen gewissen Hardcore-Einschlag nicht verleugnen; im C-Teil wird umso deftiger tief gestimmt.

Blood In The Water
Schon wieder typisch Arch Enemy - das Riffing und die allzeit bereiten Soli verraten es sofort, die Melodien schreibt sonst niemand so. Erinnert an ‘Never Forgive, Never Forget’ vom vorherigen Album, verzichtet auf einen plakativen Refrain. Alissa gefällt mit variantenreichem Gesang.

The World Is Yours
Ein sicherer (Live-)Hit in der Tradition von ‘Nemesis’ und ‘War Eternal’. Prescht aggressiv und aufrührerisch voran, der Refrain sticht mit melodischer Gitarrenarbeit und Leidenschaft heraus. Dynamischer Aufbau mit schön herausgestelltem Solo und donnerndem Zwischenteil sowie kurzer Piano-Passage.

The Eagle Flies Alone
Das Piano-Intro verspricht eine Ballade - klärt sich aber schnell zum dicken Groover. Hymnischer, kämpferischer Refrain mit begeisternder melodischer Gitarrenarbeit. Dieser Song beweist: Arch Enemy können auch ohne Extreme überzeugen.

Reason To Believe
Die große Überraschung des Albums, die für Fan-Diskussionen sorgen wird, unvoreingenommen betrachtet aber ein großartiger Song ist und sich perfekt ins Album einfügt: Alissa White-Gluz nutzt ihren (von The Agonist bekannten) Klargesang! Screams und Growls finden ebenso ihren Platz in der emotionalen, düsteren Heavy-Ballade mit Death Metal-Anklängen, schmachtenden Strophen und einem mitreißenden (harten) Refrain. Mutig, spannend, abwechslungsreich, durch und durch gelungen!

Murder Scene
Sind Arch Enemy etwa verweichlicht? Mitnichten? Mit klassischem, hartem Melodic Death Metal lassen sie alle Kritiker verstummen. White-Gluz klingt geradezu dämonisch, das Gitarrensolo vor dem Zwischenteil ist gold!

First Day In Hell
Mal zäh fließender, mal galoppierender, fieser Groover mit geschickt gesetzten melodischen Spitzen.

Saturnine
Mystisches instrumentales Zwischenspiel - könnte auch ein Cradle Of Filth-Intro sein.

Dreams Of Retribution
Ein klassisch inspiriertes Motiv dient als Widerhaken durch den Song, bietet einen Kontrapunkt zum gehetzten, fast psychopathischen Refrain. Moderne Sounds, orchestrale Töne und Death Metal verschmelzen miteinander. Eine wunderbare, kräftige Rachehymne!

My Shadow And I
Ihr wollt es finsterer? Alissa knurrt äußerst tief, passend zu den grollenden Gitarren und apokalyptischen Keyboardsounds. Aber es wären nicht Arch Enemy, gäbe es nicht immer wieder melodische Ausbrüche aus der polternden Finsternis.

A Fight I Must Win
Wie sollte solch ein Album enden, wenn nicht mit einem Epos? NWOBHM-Gitarren (Rainbows ‘All Night Long’ richtet Grüße aus!) verschmelzen mit wuchtigem Death Metal, schwedische Melancholie mit hymnischem Anstrich, Orchesterklänge sorgen für überlebensgroße Momente.

Tracklist

1 - Set Flame to the Night 1:20
2 - The Race 3:15
3 - Blood in the Water 3:55
4 - The World Is Yours 4:53
5 - The Eagle Flies Alone 5:16
6 - Reason to Believe 4:48
7 - Murder Scene 3:50
8 - First Day in Hell 4:48
9 - Saturnine 1:09
10 - Dreams of Retribution 6:40
11 - My Shadow and I 4:05
12 - A Fight I Must Win 6:35
13 - City Baby Attacked by Rats - cover version 2:48

https://www.youtube.com/watch?v=mjF1rmSV1dM