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Arch Matheos - Winter Ethereal 2019

Die Formation FATES WARNING kennt man ja. John Arch war Frontmann der Band in den Anfangstagen der mehr als 3 Dekaden währenden Historie.

Jim Matheos ist seit vielen Jahren eine treibende Kraft der Amerikaner und mit seinen kompositorischen Fähigkeiten und seiner soliden Performance an der Gitarre auf den Bühnen rund um den Globus eine feste Größe. Und jetzt…da ist es Zeit für…das erneute Aufeinandertreffen der beiden. 2011 hatte man gemeinsame Sache gemacht und ein Debüt eingezimmert. Jetzt – nach einer gewaltigen Pause – kommt endlich der zweite Streich.

Den Anfang macht das neunminütige Monster 'Vermillion Moons', bei dem die mystischen Gesangsmelodien von John Arch völlig magisch über den melodischen Gitarrenleads von Jim Matheos schweben. Trotz der ausufernden Länge erscheint mir der Song klar strukturiert und ziemlich kompakt, obwohl er eben doch ein progressives Herz hat. Die beiden folgenden 'Wanderlust' und 'Solitary Man' könnten trotz aller Unterschiede auch als kommende Single-Veröffentlichungen herhalten. Bei letzterem wird auch deutlich, dass man bei der Rhythmusarbeit auf diverse Gäste zurückgegriffen hat. Neben ehemaligen und derzeitigen FATES WARNING-Mitgliedern wie Joey Vera, Ron Jarzombek, Joe DiBiase und Mark Zonder, sind hier auch Steve Di Giorgio, Sean Malone und Schlagzeug-Legende Thomas Lang zu hören. Das tut den Songs merklich gut und sorgt auch dafür, dass "Winter Ethereal" nicht nur nach FATES WARNING klingt.

Das folgende 'Wrath Of The Universe' ist dann einer der ganz großen Höhepunkte. Der treibende Acht-Minüter lebt hier ganz besonders von Archs magischer Vocalperformance. Der "strange voices speak in tongues"-Part macht mich jedes Mal wieder fertig. Und auch sonst geht John Arch hier an seine Grenzen und darüberhinaus. Und das im allerbesten Sinne. Danach braucht man etwas Zeit, um zu regenerieren und diese bietet das völlig traumhafte 'Tethered'. Dieser melodisch-melancholische Edelstein geht so dermaßen unter die Haut, totaler Wahn. Dabei braucht diese Komposition ein paar Durchgänge mehr, um auf sich aufmerksam zu machen, doch wenn sie einen packt, dannn so richtig.

'Straight And Narrow' dürften die meisten von euch bereits gehört habe. In seiner Geradlinigkeit und Härte ein ziemlich ungewöhnlicher Song auf "Winter Ethereal", der dem Album aber eine tolle Dynamik gibt und zudem von den famosen Leads von Jim Matheos getragen wird. Überhaupt dürften sich die (wenigen) Kritiker von "Sympathetic Resonance" hier deutlich wohler fühlen. Die Stakkato-Riffs, die es dort häufig gab, sind hier gänzlich verschwunden und auch die Produktion hat insgesamt mehr Luft zum Atmen und drückt nicht mehr so massiv wie auf dem Vorgänger.

'Pitch Black Prism' hätte auch 'Pitch Black Spiral' heißen können, solch ein emotionaler Strudel tut sich hier auf. Wenn man die Geschichte um die russischen Musiker in Tschernobyl kennt (mehr im Interview - PK), versteht man, warum der Song John Arch zu Höchstleistungen treibt. Diese Gesangslinien sind auch einfach nicht von dieser Welt. Das gilt auch für das wundervolle Solo von Jim Matheos in 'Never In Your Hands', das nach etwas mehr als vier Minuten den bis dahin bereits großartigen Song noch besser macht.

Das Beste kommt allerdings zum Schluss. Die 13-minütige Liebeserklärung an (Haus)Tiere mit dem Namen 'Kindred Spirits'

Eines steht fest: Wenn die Fans Winter Ethereal hören, werden sie erkennen, dass sich das lange Warten auf neue Musik von Arch / Matheos gelohnt hat. Die organische Art der Entstehung des Materials macht es umso besonderer. “Manchmal hat man, wenn man lange von der Bildfläche verschwunden war und um einige Lebenserfahrung reicher geworden ist, das Gefühl, dem Ausdruck verleihen zu müssen und etwas Mitzuteilen zu haben. Für mich war Musik immer das beste Mittel dazu, wo Worte mitunter nicht genug sind, und dieses Album kam zeitlich absolut gelegen“, fasst Arch zusammen. Schlagwörter zur Beschreibung der Scheibe findet er auch schnell: “unprätentiös, emotional geprägt, bisweilen ungeschönt wahr. Das trifft in vielerlei Hinsicht auch auf Sympathetic Resonance zu, aber Winter Ethereal gibt mehr Raum zum Atmen und Zeit, um über die Inhalte nachzudenken.“

Tracklist

1     - Vermilion Moons     9:06     
2     - Wanderlust     5:59     
3     - Solitary Man     5:41     
4     - Wrath Of The Universe 8:23     
5     - Tethered     6:11     
6     - Straight And Narrow 4:20     
7     - Pitch Black Prism     7:06     
8     - Never In Your Hands 8:13     
9     - Kindred Spirits       13:00

 

Arch / Matheos "Straight and Narrow" (OFFICIAL VIDEO)