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Arch Matheos - Winter Ethereal 2019

So manch einem Prog-Metal-Fan der ersten Stunden dürfte vor etwa acht Jahren das Höschen im hohen Bogen weggeflogen sein, als sich John Arch und Jim Matheos unter dem Banner ARCH/MATHEOS zusammen getan haben, um der Prog-Meute zu geben, wonach sie sich still und heimlich sehnte: Ein FATES WARNING-Album, als wäre noch 1986. Der Bandname kam natürlich zustande, als die beiden ihre Namen aufgeschrieben und unter dem Bruchstrich gekürzt haben.

Den Anfang macht das neunminütige Monster 'Vermillion Moons', bei dem die mystischen Gesangsmelodien von John Arch völlig magisch über den melodischen Gitarrenleads von Jim Matheos schweben. Trotz der ausufernden Länge erscheint der Song klar strukturiert und ziemlich kompakt, obwohl er eben doch ein progressives Herz hat. Die beiden folgenden 'Wanderlust' und 'Solitary Man' könnten trotz aller Unterschiede auch als kommende Single-Veröffentlichungen herhalten. Bei letzterem wird auch deutlich, dass man bei der Rhythmusarbeit auf diverse Gäste zurückgegriffen hat. Neben ehemaligen und derzeitigen FATES WARNING-Mitgliedern wie Joey Vera, Bobby Jarzombek, Joe DiBiase und Mark Zonder, sind hier auch Steve Di Giorgio, Sean Malone und Schlagzeug-Legende Thomas Lang zu hören. Das tut den Songs merklich gut und sorgt auch dafür, dass "Winter Ethereal" nicht nur nach FATES WARNING klingt.

Das folgende 'Wrath Of The Universe' ist dann einer der ganz großen Höhepunkte. Der treibende Acht-Minüter lebt hier ganz besonders von Archs magischer Vocalperformance. Der "strange voices speak in tongues"-Part macht mich jedes Mal wieder fertig. Und auch sonst geht John Arch hier an seine Grenzen und darüberhinaus. Und das im allerbesten Sinne. Danach braucht man etwas Zeit, um zu regenerieren und diese bietet das völlig traumhafte 'Tethered'. Dieser melodisch-melancholische Edelstein geht so dermaßen unter die Haut, totaler Wahn. Dabei braucht diese Komposition ein paar Durchgänge mehr, um auf sich aufmerksam zu machen, doch wenn sie einen packt, dannn so richtig.

'Straight And Narrow' dürften die meisten von euch bereits gehört habe. In seiner Geradlinigkeit und Härte ein ziemlich ungewöhnlicher Song auf "Winter Ethereal", der dem Album aber eine tolle Dynamik gibt und zudem von den famosen Leads von Jim Matheos getragen wird. Überhaupt dürften sich die (wenigen) Kritiker von "Sympathetic Resonance" hier deutlich wohler fühlen. Die Stakkato-Riffs, die es dort häufig gab, sind hier gänzlich verschwunden und auch die Produktion hat insgesamt mehr Luft zum Atmen und drückt nicht mehr so massiv wie auf dem Vorgänger.

'Pitch Black Prism' hätte auch 'Pitch Black Spiral' heißen können, solch ein emotionaler Strudel tut sich hier auf. Wenn man die Geschichte um die russischen Musiker in Tschernobyl kennt,
versteht man, warum der Song John Arch zu Höchstleistungen treibt. Diese Gesangslinien sind auch einfach nicht von dieser Welt. Das gilt auch für das wundervolle Solo von Jim Matheos in 'Never In Your Hands', das nach etwas mehr als vier Minuten den bis dahin bereits großartigen Song noch besser macht.

Ein Album für die Ewigkeit! (laut My Revelations)

Tracklist

01 – Vermillion Moons
02 – Wanderlust
03 – Solitary Man
04 – Wrath of the Universe
05 – Tethered
06 – Straight and Narrow
07 – Pitch Black Prism
08 – Never in your hands
09 – Kindred Spirits

 

Arch / Matheos "Straight and Narrow" (OFFICIAL VIDEO)