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Bloodred Hourglass - Godsend 2019

Bloodred Hourglass ackern seit Jahren fleißig, um in der Szene mehr und mehr Gehör zu finden. GODSEND dürfte einen guten Teil zum weiteren Gelingen beitragen: Ihren Ton haben die Finnen natürlich längst gefunden, und auf ihrem vierten Album machen sie die richtigen Entwicklungen hörbar. Insgesamt geht das Quintett flotter voran als etwa auf dem direkten Vorgänger HEAL (2017) und tönt ein Stück moderner.

Auf Angriff gebürstet scheint auch Front-Keifer Jarkko Koukonen zu sein, jedenfalls faucht er schon zu Beginn des Openers „Waves Of Black“ gefährlich aus den Boxen und klingt dabei wie eine Mischung aus Alexi Laiho und Anders Fridén – zu besseren Zeiten von letzterem, versteht sich. Die Saiten-Fraktion gibt sich noch eher traditioneller, der Song könnte durchaus auch der Feder der Landsmänner von OMNIUM GATHERUM stammen. In „The Unfinished Story“ wird es allerdings schon ein wenig thrashiger, obwohl die Untermalung der ersten Strophe wiederum eher deutlich an IN FLAMES zu „Come Clarity“-Zeiten erinnert. Finnische Trademarks wie die wunderschön-melancholischen Leads und auch eine zeitweise Piano-Begleitung kommen allerdings ebenfalls nicht zu kurz.

„Devourer“ zieht das Tempo dann das erste Mal so richtig an und Koukonen zeigt sich in seinen Growls und Screams noch deutlich variantenreicher. Vermutlich eine Nummer, die auf jeden Fall in der Live-Setlist landen dürfte. Auch einige Thrash-Riffs schleichen sich wieder unauffällig ein, wobei bei Thrash hier weniger an klassische Formationen aus der Bay Area oder gar aus dem Ruhrpott gedacht werden sollte. BLOODRED HOURGLASS gehen eher in die Richtung einer modernen Interpretation, ähnlich ihrer hierzulande immer noch recht wenig bekannten Landsleute von STAM1NA. Was allerdings auch nicht verschwiegen werden sollte: Die Mannschaft aus dem Land der tausend Seen hat auch keine Skrupel, ab und an ein wenig im Metalcore zu wildern.

Angst vor recht präsenten Keyboards sollte man übrigens lieber nicht haben, wenn man plant sich ein paar Durchläufe von „Godsend“ zu gönnen, wenn auch Techno-Einlagen wie zu Beginn von „My Route“ eher Seltenheitswert haben. Grundsätzlich gehen Produktion und Mix nämlich absolut in Ordnung und sind extrem gut auf die Band zugeschnitten. Juho Räihä (SWALLOW THE SUN) hat hier definitiv einen guten Job abgeliefert.

Erfreulicherweise geht dem Album im Laufe seiner Spielzeit auch nicht die Puste aus, mit „White Feather“ befindet sich ganz am Ende sogar noch einmal ein absolutes Highlight. Einfach zum Niederknien, diese Melodie! Auch nach längerer Zeit gibt gibt es übrigens immer noch Neues zu entdecken – ganz besonders einige Soli entfalten ihre volle Macht erst nach einigen Wiederholungen.

Eine grundsätzliche Ähnlichkeit zu Bands wie INSOMNIUM oder WOLFHEART besteht ohne Frage. Da Gitarrist Lauri Silvonen auch bei letzteren zockt, sollte das auch nicht unbedingt verwundern. BLOODRED HOURGLASS gehen trotzdem ihren eigenen Weg, sind mutig und öffnen sich sehr viel mehr gegenüber Sounds aus anderen Stilrichtungen. Außerdem weicht die vielzitierte finnische Melancholie aus „Godsend“ häufig unkontrollierter Raserei. Wer also schon seit langem auf ein Melo-Death-Album wartet, das ein wenig aus dem Einheitsbrei ausbricht und bei dem es mal wieder so richtig auf die Fresse gibt, der sollte unbedingt zuschlagen.

Tracklist

  1. Waves Of Black
  2. The Unfinished Story
  3. Devourer
  4. Alysia
  5. My Route
  6. Pieces
  7. Ask And You Shall Receive
  8. August
  9. On My Throne
10. White Feather

 

Bloodred Hourglass - Waves of Black (Official Music Video)

 

zu hören bei www.darkradio.de