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Burning Witches – Burning Witches 2017

Viel mehr als bloss fauler Hexen-Zauber.

Burning Witches - Burning Witches 2017



Die Schweizer Band BURNING WITCHES wurde zwar erst dieses Jahr gegründet, geht jedoch bereits mit DESTRUCTIONs Schmier ins Studio, um ihr Debütalbum aufnehmen.
"Überall schiessen Flammen aus dem Boden hervor. Die Hitze presst den Schweiss aus meinem Körper. Schreie gequälter Seelen dringen in meine Ohren. Vor mir erhebt sich ein rabenschwarzes Tor. Langsam und knarrend öffnen sich die riesigen Pforten und aus dem Schatten treten fünf Gestalten hervor. Allesamt bildhübsche Mädels. Doch nur ein Narr würde sich von der blossen Optik täuschen lassen. Bei den Damen handelt es sich nämlich um echte Hexen."
So´n geiles Zitat muss man einfach bringen.
Ein Land voller grünen Matten, blauen Seen und friedlich wiehernden Kuhherden. So mag sich der desinformierte Tourist die Schweiz vorstellen. Überall Banken, geschmolzener Käse und süsse Schokolade ohne Ende. Tja, und dann kommen Burning Witches…
Heavy Metal regiert auf dieser Scheibe - und sonst nix. Keine Experimente, keine Ausflüge in andere Genres - Heavy Metal ist das Schlachtfeld. Neues wird nicht geboten, dafür Bewährtes gut geliefert.

2015 startete Romana ihre Suche nach talentierten Ladies für eine neue Band. Jeanine Grob (Bass), eine alte Freundin, wurde das erste offizielle Mitglied. Auf einer Party traf Romana dann Seraina Telli (Gesang) zum ersten Mal. Die beiden Damen verstanden sich vom ersten Moment an großartig, sowohl auf musikalischer als auch auf persönlicher Ebene. Seraina brachte viele Ideen und massig Erfahrung mit, da auch sie Musik studierte und bereits in der Band SURRILIUM tätig war. Die Gitarristin und die Sängerin entwickelten sich zu einem perfekten Songwriting-Team. Nach intensiver Suche und einigen Auditions konnte schließlich noch Lala Frischknecht als perfekte Drummerin für die All-Girl Metal Band rekrutiert werden.

Die Hexen-Jagd wird mit der Nummer «Black Widow» eröffnet. Oha! Ein furioser Start mit starken Gitarrenriffs. Und da meldet sich auch bereits ein erstes Mal Seraina Telli zu (Gesangs-)Wort. Welch ein hoher Schrei. Das erinnert mich stark an eine weibliche Version eines gewissen Herrn Rob Halford - seines Zeichens Leitwolf der britischen Metal-Götter Judas Priest. Der Zuhörer erfreut sich hier an Heavy Metal in Reinkultur. Insbesondere die bissigen Screams von Seraina sind überaus beeindruckend. Da steckt Gesangstechnisch ebenfalls ein wenig Noora Louhimo (Battle Beast) drin. Die Gitarrenfraktion um Alea und Romana darf sich ebenfalls bereits ordentlich austoben. Ein geiler und eingängiger Opener.

Wie steht es um den darauffolgenden Titel-Track? Ist es bereits Zeit für den Scheiterhaufen? Vom Rhythmus her sind nun die Headbanger unter euch gefordert. Nackenmuskel-Training at it’s best. Insbesondere der Refrain lässt sich ohne zu zögern häuslich in den Gehörgängen der Zuhörerschaft nieder. In diesem Sinne: «Burn The Witch!» (aber bitte nur im übertragenen Sinn. Die Damen sollen uns doch bitte noch eine Weile erhalten bleiben). Seraina beweist sich abermals ohne Probleme in den höheren Tonlagen. Da könnte wohl so mancher Herr nicht einmal mit eingeklemmtem Skrotum mithalten.

Grob und aggressiv kommt dann schliesslich «Bloody Rose» um die Ecke. Da werden keine Gefangenen gemacht. Einmal mehr überzeugen die Witches mit einem eingängigen Refrain. Seraina zückt zwischendurch ihre nächste Waffe: Teuflische Growls. Respekt an die stimmliche Variation der Chef-Hexe. Alea und Romana kitzeln abermals alles aus ihren Saitenköniginnen heraus.

Im Gegensatz zu den vorangehenden Songs setzt «The Dark Companion» auf ruhigere Klänge. Eine Ballade? Wieso auch nicht. Nach den doch eher rasanteren Nummern ist eine Verschnaufpause sicherlich keine schlechte Sache. Seraina kann auch ganz sanft sein. Wirklich lange scheinen die Mädels allerdings nicht stillsitzen zu können. Nach einer Spielzeit von 01:16 Minuten folgt bereits wieder eine Temposteigerung. Im Galopp-Rhythmus reitet die Zuhörerschaft zum Ende des Songs. Erneut eine sack- ‘tschuldigung eierstockstarke Gesangsleistung der Front-Hexe.
Gerade einmal knappe 02:52 Minuten Spielzeit bringt «Metal Demons» auf die imaginäre Waage und sichert sich so den Podestplatz in Sachen kürzester Song auf dem Album. Offenbar scheint den Witches die Zeitknappheit bei dieser Nummer bekannt zu sein. Sie legen nämlich los wie die Feuerwehr. Ein weiteres Mal erleben wir einen fulminanten Rob Halford-Schrei, der durch Mark und Bein geht. Lala Fischknecht hämmert unermüdlich auf ihrer Trommelstation herum. Während Live-Shows ist dies sicherlich eine geeignete Mitmach-Hymne. Ich höre im Geiste bereits den ganzen Dynamo Saal folgende Worte schreien: «We Are Metal Demons!». Wie bereits angedeutet geht der Song aber leider viel zu rasch zu Ende.

Retter gesucht! Es folgt der Track «Save Me». Die Nummer würde ich nun am ehesten als Ballade durchgehen lassen. Obwohl die Hexen auch hier keine komplette Tempodrosslung vornehmen. Erfreuen dürfen wir uns an Serainas kräftigem und wundervollen Stimmorgan. Vor dem Gitarrensolo im letzten Song-Drittel ziehe ich ebenfalls meinen Hut. Wie ging das noch gleich mit Rock- und Metal-Bands? Sind die bekanntesten Stücke solcher Truppen nicht oftmals Balladen? Nur, dass das mal gesagt ist.

Heftiges Lala-Getrommle und markante Riffs eröffnen den Highspeed-Track «Creatures Of The Night». An der Mikrofonfront wird wieder munter geschrien. Definitiv eine weitere Nummer für die Headbanger-Fraktion. Dieser Song gehört ebenfalls in künftige Live-Setlists. An der Plattentaufe werden wir aber wohl logischerweise sämtliche Stücke in ihrer ganzen Pracht zu hören bekommen.

Es ist angerichtet. Ihr Kinderlein kommet. Die Hexen möchten euch verspeisen. Passend dazu gibt’s den Track «We Eat Your Children». Na dann «bon appétit». Welch fieser Lacher, den der Zuhörer da zu Beginn des Songs zu hören bekommt. Böse Gitarrenriffs und Soli dürfen bei solch einer Geschichte selbstverständlich keinesfalls fehlen. Also, wer von seinen lästigen Bälgern genug hat, findet in den Burning Witches sicherlich dankbare Abnehmerinnen.

«Creator Of Hell» vereint einige Spielarten des Metal in sich. Die Witches setzen primär auf die Marke Heavy Metal. In diesem Track - und auch bei den meisten anderen dieser Platte - sind aber auch ab und an gewisse Elemente des Thrash und Power Metal deutlich hörbar. Mähnen schütteln wird bei diesem Teufelswerk ebenfalls wieder zum Thema. Ein wuchtiger Stampfer!

Ob eurer Name auf der «Deathlist» steht, werden euch wohl nur die Witches selbst verraten können. Tempo und Aggressivität zählen auch bei dieser Nummer zu den wichtigsten Zutaten für den Zaubertrank der fünf Hexen. Mit einer Spielzeit von 05:19 Minuten sind wir zudem beim längsten Stück des gesamten Albums angelangt. Ein erstes Mal höre ich nun zwischendurch auch den Bass von Jay Grob. Sie scheint sich bisher wohl eher dezent im Hintergrund versteckt gehalten zu haben. Ab und an kristallisieren sich insbesondere bei den Gitarren-Parts teilweise leichte Einflüsse von Iron Maiden heraus.

Einen Pfeil haben die Mädels noch im Köcher. Den Albumabschluss bildet eine Coverversion der Judas Priest-Hymne «Jawbreaker» aus dem Jahre 1984. Burning Witches zollen hier unverkennbar ihren Idolen Tribut - und das in äusserst beeindruckender Manier. Sämtliche Mitglieder des Hexenzirkels mobilisieren ein allerletztes Mal ihre Kräfte und holen nochmals alles aus sich heraus. Ein gelungenes und würdiges Finale!

Viel mehr als bloss fauler Hexen-Zauber. Die fünf Mädels zeigen auf ihrer Debütplatte frischen und kraftvollen Heavy Metal und werden die Szene sicherlich ziemlich aufmischen. Auf dem Scheiterhaufen müssen diese Hexen noch lange nicht brennen.

Tracklist


    Black Widow
    Burning Witches
    Bloody Rose
    The Dark Companion
    Metal Demons
    Save Me
    Creatures Of The Night
    We Eat Your Children
    Creator Of Hell
    The Deathlist
    Jawbreaker (Judas Priest-Cover)


https://www.youtube.com/watch?v=Yyp99yMPFLU