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Cradle Of Filth - Cryptoriana The Seductiveness Of Decay 2017

Nach der ebenfalls schon guten “Hammer of the Witches” nähern sich CRADLE OF FILTH einer neuen Höchstform.

Cradle Of Filth - Cryptoriana The Seductiveness Of Decay 2017



"Cryptoriana" ist die Essenz von CRADLE OF FILTH und zeigt die Band insgesamt auf schwindelerregend hoher, vielleicht bester Form ihrer gesamten Karriere!
Über das letzte Vierteljahrhundert hinweg haben CRADLE OF FILTH die Rolle der düsteren Tagebuchschreiber des Metals übernommen, die die gestaltlosen Schrecken erforschen, die versteckt in den Schatten unserer Menschheit lauern.
Und Dani Filth geht den mit HAMMER OF THE WITCHES eingeschlagenen Weg weiter: Große Chöre und Orchestration, Friedhofsromantik und Soli aus dem Iron Maiden-Baukasten treffen auf rasenden Black- und Gothic Metal und Reminiszenzen an Überalben wie MIDIAN. So geht es in weiten Teilen von Cryptoriana - The Seductiveness Of Decay zu.

"Exquisite Torment Awaits" verleitet den Hörer gleich zu Anfang geschickt. Jeder erwartet den typischen, orchestralen Horror-Score Opener. Und so hört es sich erst auch an, bevor die Band einsetzt und den Hörer mit enormer Brachialität aus der Atmosphäre heraus ins Hier und Jetzt reisst. Das "Intro" entpuppt sich als bärenstarker Halbsong, der bereits viele Purzelbäume schlägt, bevor es überhaupt richtig losgeht. Er reiht sich damit in die frühCRADLEsche Tradition von Stücken wie "A Dream Of Wolves In The Snow" oder "Ebony Dressed For Sunset" ein und bildet mit "Heartbreak And Seance" eine stimmige Einheit. Letzterer wird den meisten schon vorab durch den Videoclip bekannt sein und ist eines der zugänglicheren Stücke des Albums. Das viktorianische Zeitalter, welches für das Album thematisch Pate steht, zeigt sich musikalisch durch den Einsatz von für CRADLE untypisch vielen Chören, besser gesagt Chorälen. Das unterstreicht den schon immer präsenten symphonischen Ansatz exzellent und trägt enorm zur schaurigen, herbstlichen Atmosphäre des Albums bei. Abseits davon ist der Song eine rasend schnelle, aber ziemlich eingängige Melange aus Melodic Death und Thrash Metal mit einem schönen, vom Chor intonierten Refrain.

Weiter geht es mit "Achingly Beautiful", welcher sich trotz unerhört einprägsamen Parts als ziemlich komplex herausstellt. Mit seinen ziemlich heftigen Death Metal Parts, zugleich aber dem Einsatz von Lindsay Schoolcraft im Refrain und einem hohen Melodieanteil schlägt der Song gekonnt die Brücke zwischen Klassikern der "Dusk And Her Embrace" oder "Cruelty And The Beast"-Ära und jüngstem Material. Etwas weniger episch, dafür weitaus verspielter präsentiert sich "Wester Vespertine". Hier kommen die symphonischen Parts zum ersten Mal voll zur Geltung und erwecken, wie so oft, Erinnerungen an die Scores von DANNY ELFMAN. Insgesamt ein Stück, das auch zu "Hammer Of The Witches" gepasst hätte. "The Seductiveness Of Decay" ist dann der, in Großbuchstaben, DER Übersong des Albums und wird beim Kampf um den Extrem-Metal Song des Jahres auf alle Fälle aufs Treppchen gelangen. Auch hier werden keine Gefangenen gemacht, die Blastbeats zu Beginn prügeln windelweich, bevor die Strophe wieder die größte Stärke des neuen Line-Ups offenbart: Das Gitarrenduo aus Richard Shaw und Ashok. Meist zweistimmig rasen die beiden durch eiskalte Black Metal Blasts, mit vollem Volumen riffen sie sich durch Thrash- und Death Metal Passagen. Dann ein Break, und plötzlich dieser stampfende MAIDEN Refrain! Hell Yeah, ich fall auf die Knie! Als wenn das nicht alles wäre, weckt der ultraharte Mittelpart Erinnerungen an "The Principle Of Evil Made Flesh". Wow! Ähnliches Qualitätsniveau hält die zweite Video-Auskopplung "You Will Know The Lion By His Claw". "Death And The Maiden" schließt das Album dann sehr düster ab. Der längste Song des Album ist zugleich auch derjenige, der die meisten Durchläufe braucht, um sich zu setzen. Es klingt auf jeden Fall sehr erfrischend, dass CRADLE auch ohne überhöhten Melodieeinsatz klarkommen und eine drückende, schwere Nummer produzieren können.

muss natürlich noch ein Gastauftritt her. Und da es in der Vergangenheit ja so gut funktioniert hat ("Nymphetamine"), nehmen wir halt wieder LIV KRISTINE. "Vengeful Spirit" ist zwar kein "Nymphetamine" und setzt trotz mitsingkompatiblem Refrain nicht auf Simplizität, sodass er sich prima ins Gesamtkonzept einfügt. Aber was soll das Ganze? Mit Lindsay Schoolcraft hat die Truppe die mit Abstand talentierteste Sängerin seit Bandbestehen in ihren Reihen (Die einzige, die "Her Ghost In The Fog" auch live zu einem guten Song macht, was weder Caroline Campball, Sarah Jezebell Diva, noch die anderen je geschafft haben). Von ihr ist auf "Cryptoriana" erstaunlich wenig zu hören, Ihre Parts beschränken sich auf Backing Vocals und Spoken Word Passagen. Somit steht der Song im Widerspruch zu dem noch zu "Hammer Of The Witches" von Dani Filth beschriebenem Band Gefüge und Zusammenhalt.

Das Album ist eine nahezu perfekte symphonische Black-Metal-Oper, welche alte und neue Tugenden der Band vereint und, man möchte fast sagen, versöhnt. Nach der ebenfalls schon guten “Hammer of the Witches” nähern sich CRADLE OF FILTH einer neuen Höchstform.

Tracklist

1.Exquisite Torments Await
2. Heartbreak And Seance
3. Achingly Beautiful
4. Wester Vespertine
5. The Seductiveness Of Decay
6. Vengeful Spirit
7. You Will Know The Lion By His Claw
8. Death And The Maiden

https://www.youtube.com/watch?v=DNRIaeg6EyY