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Dust Bolt - Trapped In Chaos 2019

Da ist er: Trapped In Chaos, der neue Longplayer und, soviel sei vorab verraten, ein ziemlich geiles Brett der bayrischen Nachwuchsthrasher Dust Bolt. Wobei man den Begriff Nachwuchs im Zusammenhang mit Dust Bolt nur noch aufgrund des Alters der Musiker aufgreifen kann. Denn was das Quartett auf seiner vierten Veröffentlichung (ohne das 2010er-Demo) liefert, das klingt alles andere als nach Nachwuchs, dafür vielmehr nach gestandener Szenegröße. Klassischer 80er/90er Thrash, der wohltuend vertraut, aber nicht abgekupfert oder aus Versatzstücken der Vorbilder zusammengeschustert wirkt, sondern einfach frisch und energiegeladen sofort in die Knochen geht und zum mitthrashen einlädt. Wie auch schon auf dem Vorgängeralbum Mass Confusion wird nicht ständig das Gaspedal durchgetreten.

Sie sind nachdenklicher, „erwachsener“ geworden und stellen nun Frontmann Lenny Bruces ernstere Texte ins Auge eines wechselhafteren Sturms, der gleichwohl in jeder Situation reiner Thrash Metal bleibt. Diesen spielen die Jungs aber spätestens jetzt mit gehobenem Anspruch an sich selbst, weil sie eventuell erkannt haben, dass man als eine personifizierte Retrospektive von vielen nur bis zu einem gewissen Punkt und nicht weiter gelangt. Ob die Fans der Band den Fortschritt begleiten werden oder nicht, bleibt abzuwarten, doch man kann ihr nicht einen Fehler bei ihrer „Häutung“ (relativ gesehen) ankreiden.

Gleich der Opener The Fourth Strike präsentiert alle Facetten, die die neun neuen Songs auszeichnen: groovige Midtempo-Parts, heftige Gitarrengewitter und -soli, druckvoll treibendes Drumming und ein Sänger Lenny Bruce irgendwo zwischen Tom Araya, Mille Petrozza und Gerre, mal shoutend, mal growlend, mal schon fast melodisch singend und all dies eingängig und gleichzeitig abwechslungsreich, anspruchsvoll und stimmig arrangiert. Einzig der Bass geht mir etwas zu sehr unter. Nach dem Eröffnungstrack kommt das vorab mit einem Videoclip veröffentlichte Dead Inside, fast gänzlich im Midtempo-Bereich, schön brachial daher. Tempomäßig in eine ähnliche Kerbe schlägt der zweite vorab veröffentliche Song Bloody Rain, der jedoch zunächst einiges melodischer ausfällt, um zum Ende aggressiv schleppend und growlend auszuklingen. Die B-Seite startet dann mit meinem persönlichen Highlight von Trapped In Chaos bzw. Dust Bolt: Rhythm To My Madness, eine Gänsehautentzündung auslösende Abrissbirne mit wahnsinns Riffing, Solo, Drumming, Vocals, kurz gesagt mit allem, was ein geiler Metal- bzw. Thrashsong braucht, um zum Klassiker zu werden. Weiter geht es mit einem weiteren persönlichen Favoriten des Albums namens Shed My Skin, der nicht ganz die Geschwindigkeit von RTMM erreicht aber mächtig groovt, durch Lennys Vocals, geile Soli und Harmonien glänzt und Nico Rayman viel Raum gibt alles in Grund und Boden zu trommeln. Bevor wir zum Titeltrack kommen, schiebt sich mit Killing Time, ein kurzer (2:10 Minuten) straighter Thrasher dazwischen und in die Gehirnwindungen. Trapped In Chaos startet dann tempomäßig wieder etwas gemächlicher bis dann nach ca. zwei Drittel dessen Gitarrensolo den Song beschleunigt und in ein furioses Finale überleitet. Mit der melodischen Thrashballade Another Day In Hell bildet dann der längste Track des Albums und bislang wohl ambitionierteste Song der Bajuwaren den starken Abschluss dieser Veröffentlichung.

Das Thrash-Jahr 2019 startet direkt mit einem Höhepunkt. DUST BOLT zeigen den dringend nötigen Mut zur Weiterentwicklung, ohne ihren ureigenen Sound zu verwässern. „Trapped In Chaos“ ist zweifellos die stärkste Scheibe des Quartetts seit dem Debütalbum.

Tracklist:

01. The Forth Strike
02. Dead Inside
03. The Bad Ad
04. Bloody Rain
05. Rhythm To My Madness
06. Shed My Skin
07. Killing Time
08. Trapped In Chaos
09. Another Day In Hell

Bandmitglieder:

Gesang, Gitarre – Lenny Bruce
Gitarre – Flo Dehn
Bassgitarre – Ben Muenzel
Schlagzeug – Nico Rayman

 

DUST BOLT - Dead Inside (Official Video) | Napalm Records