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In Flames - I, The Mask 2019

Sobald In Flames ein neues Studioalbum ankündigen, tobt das Netz und spaltet sich die Anhängerschaft in jene, welche den Melodic Death-Tagen nachtrauern und jene, die den offenen Umgang der Schweden mit modernem Metal lieben.

Es haben sich einige kernige Stücke auf das Album geschlichen. Vor allem das erste Drittel tritt gewaltig Arsch. Los geht es mit dem Midtempo-Kracher "Voices", welcher in bester "Clayman" Manier mit einem wuchtigen Riff und einer zermalmenden Strophe punktet. Wenn Anders Fridén im Prä-Chorus zu seinem wuchtigen "...written on these waaaaaalls" ausholt, dann schießt die Faust unkontrolliert nach oben. Der (wie auf allen Stücken des Albums) clean gesungene Refrain überzeugt mit seiner simplen, aber effektiven Hookline. Ein perfekter Einstieg. Das folgende Titelstück geht geschwindigkeitstechnisch in die Vollen und drückt mit mächtigen Thrash Riffs ins Gebälk. Im Refrain wird es dann etwas moderner, punkiger, metalcoreiger, ohne dass darunter der Punch leidet. "Call My Name" zeigt einen Fridén in absoluter Bestform, mit sirenenartigem Gesang in allerhöchsten, und dennoch kräftigst vorgetragenen Sphären. Auch die Melodien sitzen perfekt! Und wenn dann zu "I Am Above", dem absoluten Nackenbrecher schlechthin, angesetzt wird, dann wähnt man sich als Fan der kreativen Hauptphase der Band im metallischen Paradies!

Zu der modernen, alternativ rockenden Phase der letzten Jahre gesellt sich auf "I, The Mask" vor allem eine getragene, balladeske Ausrichtung. Auch wenn "Follow Me" zwischendrin mal Gas gibt, ist es im Grunde genommen die erste von gleich vier (!) Balladen auf dem neuen Album. Qualität hin oder her, das ist zu viel. "Follow Me" mag im Refrain zwar die Double Bass auspacken, aber die Zarten (und schönen) Akustikgitarren im Intro und in der Strophe charakterisieren das Stück ganz klar als Ballade. Die Melodien gehen unter die Haut, die Gänsehaut stellt sich ein. Damit passt hier alles. Aber dennoch. Bei "In This Life" wird munter geschunkelt. Nie waren die Schweden so nah am melodischen Power Metal europäischer Prägung wie hier.

"All The Pain" geht eindeutig in die "Siren Charms" Richtung, mit allen negativen Assoziationen, die man beim Titel dieses Albums schon mitbringt. Die vierte und letzte Ballade dient zugleich als Rausschmeißer, "Stay With Me". Hier dominieren wieder die akustischen Gitarren, die Melodien treffen wieder ins Schwarze. Man ist geneigt zu sagen, es handelt sich um die beste Ballade seit "Come Clarity".

Die Leichtigkeit der Melodielinien, die rhythmisch schlau gesetzten Kontrapunkte, die fantastisch inszenierten Spitzen, das Gesamtgefüge, das zwischen Modern Rock und den (immer noch vorhandenen) Rückgriffen auf den tödlichen Würgegriff ein reiches Repertoire bietet, wird aktuell von kaum einer anderen Band so konsequent und  überzeugend dargeboten wie von In Flames. Herz, Hirn, Headbanger – alles da. I, THE MASK zeigt kein neues Gesicht dieser Ausnahme-Band, zaubert aber jedem offenen Metaller ein breites Grinsen ins Gesicht.

Tracklist

1. Voices
2. I, The Mask
3. Call My Name
4. I Am Above
5. Follow Me
6. (This is Our) House
7. We Will Remember
8. In This Life
9. Burn
10. Deep Inside
11. All The Pain
12. Stay With Me

Line-Up:
Anders Fridén – vocals
Björn Gelotte – guitars
Niclas Engelin – guitars
Bryce Paul – bass
Joe Rickard / Tanner Wayne – drums

 

IN FLAMES - I Am Above (OFFICIAL VIDEO)