Skip to main content

Ivory Tower - Stronger 2019

Was macht eine Band, die nach acht Jahren ein neues Album mit neuem Sänger und neuem Schlagzeuger veröffentlichen möchte? Richtig: Sie versucht mehr denn je noch besser, noch stärker zurückzukehren. Und so nennen die Hamburger Progressive Metaller IVORY TOWER ihr fünftes Album kurzerhand "Stronger". Deutlicher kann ein Statement nicht ausfallen.

Neu dabei sind Frank Fasold, der die Band seit knapp zwei Jahren an den Keyboards verstärkt und Dirk Meyer, der vor knapp zwei Jahren das Mikro bei RAPID ANGEL niedergelegt hat, um sich fortan ausschließlich um IVORY TOWER zu kümmern. Durchaus denkbar, dass diese Umbesetzungen einen gehörigen Teil der vergangenen Jahre verschlungen haben, doch auch die überaus detailreiche Ausarbeitung der aktuellen Songs dürfte wahrlich nicht von heute auf morgen zu absolvieren gewesen sein.

"Stronger" kommt nämlich überaus facettenreich, dabei aber ebenso kompakt und trotz vieler Details wie aus einem Guss aus den Boxen. Zwar lässt sich die Chose immer noch dem Progressive Metal zuordnen, dermaßen abwechslungsreich und zugleich knallhart klang IVORY TOWER in der Vergangenheit aber nicht. Anzunehmen, dass die Nordlichter nun auch in Power Metal-Kreisen Freunde finden werden.

Völlig zu recht, denn schon der von akustischen Gitarren eingeleitete Opener 'The Offer' entpuppt sich als wahres Kraftpaket und hat neben Gesangsmelodien, die an frühe BLIND GUARDIAN erinnern, auch Hooks im Stile neuer BRAINSTORM zu bieten. Aufs Tempo wird auch in der ersten Single-Auskopplung 'Loser' gedrückt, allerdings konterkarieren eine fast schon poppig anmutende, mitreißende Bridge und ein ebensolcher Refrain diese Nummer, die mit ziemlicher Sicherheit zu einem Live-Kracher avancieren wird. Mit modernen Power Metal-Riffs und entsprechendem Unterbau ist IVORY TOWER auch in 'End Transmission' und dem Knaller 'Life Will Fade' zugange, auffällig ist auch in beiden Nummern das harmonische Zusammenwirken des Gesangs und der Gitarren.

Das ist den Jungs auch in 'Money' gelungen, das von der Grundstimmung her ein wenig düsterer ausfällt und entfernt an jüngere EVERGREY erinnert. Sofort ins Gedächtnis geht auch das Finale 'One Day', das auf Grund der verschachtelten Strukturen bei gleichzeitigem Einsatz von präziser Härte die letzten Werke von SYMPHORCE in Erinnerung ruft. Diese Reminiszenz mag durchaus auch an Sänger Dirk liegen, der zwar stimmlich deutlich von Andy B. Franck zu unterscheiden ist, in den langgezogenen Passagen aber über einen ähnlichen Ausdruck verfügt.

Über die stolze Spielzeit von über 70 Minuten betrachtet schleicht sich natürlich auch die eine oder andere Länge ein, doch Songs wie das rasante "Slave", das dezent SAVATAGE-lastige "Strong" reißen den Hörer immer wieder aus einer latent drohenden Lethargie und unterstreichen den Albumtitel. Stronger - stärker - sind IVORY TOWER in der Tat geworden, reifer und irgendwie auch moderner. Da sieht man dann auch gerne mal darüber hinweg, dass sie beim letzten Track "One Day" ein bisschen mit der Albumlänge geschummelt haben und nach mehreren Minuten der Stille noch eine versteckte Grußbotschaft an die Hörer hinterlassen haben. Auf jeden Fall eines der stärkeren Prog-Alben des heurigen Jahres und für IVORY TOWER ein großer Schritt vorwärts.

Bandmitglieder:

Gesang – Dirk Meyer
Gitarre – Sven Böge
Bassgitarre – Björn Bombach
Keyboard – Frank Fasold
Schlagzeug – Thorsten Thrunke

Tracklist:

  1.     The Offer
  2.     Loser
  3.     End Transmission
  4.     Money
  5.     In Me
  6.     Slave
  7.     Strong
  8.     Flight Of The Dragon
  9.     Life Will Fade
  10.     Passing
  11.     The Wolves You’ve Let In
  12.     One Day

 

IVORY TOWER - End Transmission (Official Video)

 

 

zu hören bei www.darkradio.de