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King Gizzard & The Lizard Wizard - Infest The Rats' Nest 2019

Ob eine Psychedelic Rock Band erfolgreich einen auf Metal machen kann? Wahrscheinlich ja. Ob das die alten Fans glücklich machen kann? Eher nicht, wenn die Inspirationen Metallica, Slayer, Exodus, Kreator und Overkill sind. So muss zumindest vorab gesagt sein, dass das Album für die Rezensentin kaum hörbar war. Den Umständen entsprechend machen sie die Sache aber gut – immerhin kommt ab und zu doch der alte Gizz-Sound heraus. Vielleicht sollte man sich fortan mit dem Gedanken abfinden, dass King Gizzard das Ideal der Genre-Fluidität verkörpern und mehr auf Konzept-Alben aus sind. Mit ‘Fishing For Fishies’ haben sie wahrscheinlich wiederum eine ganz andere Hörerschaft abgeholt als jetzt und insgesamt gibt es von den unzähligen Veröffentlichungen nur zwei persönlich wirklich sehr geschätzte Alben. Doch bei dem aktuellen Produktionstempo, wäre es auch fast zu “allmächtig”, das Level dieser zwei konstant zu halten.

Thrash Metal Fangirls/boys werden mehr mit dem Album anfangen können und sich auch über die musikalischen Anspielungen amüsieren. Auch thematisch ist “Infest The Rats’ Nest” klischeehaft. Noch ein Album, das eine Naturkatastrophe ausmalt und dessen Texte von einer tiefen Metal-typischen Stimme vorgetragen werden. Ob diese Veröffentlichung so nötig war, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. So wie die King-Gizzard-Anhängerschaft gerade wächst, wird die Resonanz wahrscheinlich gut sein.

Etwas gröber und weniger melodisch gibt sich das Gehacke im Opener „Planet B“, das dennoch zu gegebenen Zeiten den Boogie in sich trägt, um die Groove-Komponente nicht aus den Augen zu verlieren. Aggressive Riffs mit Fuzz machen sich dennoch flächig im Song breit und schuften, was das Zeug hält, um den Song trotz allem auf Zack zu halten. „Organ Farmer“ schraubt die Aggression noch ein Stück weiter nach oben mit erhöhtem Tempo, das für die gewichtige Bridge effektiv ausgebremst wird. Das Rausschmeißer-Duo „Self-Immolate“ und „Hell“ thrasht sich auch richtig heftig durchs Geäst. Ersteres wartet dazu mit herrlich käsigen Space-Rock-Elementen auf, denen das aggressive Stakkato-Riffing jedoch eine angenehme Dringlichkeit verleiht, während „Hell“ einfach nur seinem Namen Ehre macht.

Zwischen den flotten Tracks winden sich noch ein paar Mid- und Downtempostücke nach bester Art des (Stoner-)Hauses hindurch und schmiegen sich dank des generell auf Grooves angelegten Songwritings wunderbar geschmeidig in die Trackliste ein. „Mars For The Rich“ ist ein aggressiv galoppierender Rocker mit ordentlich Fleisch auf den Rippen und einer saftigen Bierkasten-Hook. „Superbug“ geht richtig tief in die Stoner-Tranigkeit hinein, watet fast ein bisschen durch die Sümpfe Lousianas als der wohl behäbigste Song des Albums – und wieder hinterlässt die Hook eine Bierfahne mit herrlich ranzigem Odeur. Etwas mehr Pepp und Kante hat „Perihelion“ mit der wohl melodischsten und hymnischsten Hook der Platte.

Textlich bietet das Thema Umweltkatastrophe fruchtbaren Boden für jemanden wie Mackenzie, dessen Faible für Scifi und Dystopien seinen bisherigen Höhepunkt auf dem Konzeptalbum MURDER OF THE UNIVERSE (2017) erreichte. Eine gewisse Cartoonartigkeit wird King Gizzards Musik immer innewohnen, aber auf INFEST … hat man das Gefühl, dass es Mackenzie mit seiner Schwarzmalerei über unsere Zukunft ernst ist: „Open your eyes and see, there is no Planet B!“

Tracklist

1     Planet B     
2     Mars For The Rich     
3     Organ Farmer     
4     Superbug     
5     Venusian 1     
6     Perihelion     
7     Venusian 2     
8     Self-Immolate     
9     Hell

 

King Gizzard & The Lizard Wizard - Infest The Rats' Nest (Live & Studio)