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Maerzfeld - Zorn 2019

Einer Band wie Maerzfeld wird man unweigerlich den Stempel der Neuen Deutschen Härte aufdrücken und da man parallel schon seit Jahren als Rammstein-Tribut Band Stahlzeit unterwegs ist, liegen die Einflüsse natürlich auf der Hand. Dennoch sind die Franken mehr denn je bemüht, sich von den Vergleichen zu emanzipieren, was mit dem Vorgänger „Ungleich“ bereits eingeläutet wurde und nun mit dem vierten Album „Zorn“ seinen Fortgang nimmt.

Und der Titel passt mal wie die Faust aufs Auge. MAERZFELD klingen richtig wütend! Eine Lawine an Emotionen wird aufgerollt und frisst sich durch das elf Tracks umfassende Album. Allen voran thront der erste Track, der gleichzeitig namensgebend wirkt, „Zorn“, der den Hörer mit voller Wucht erwischt und in den Sog des Zorns zieht. Ein hartes Schlagzeug wummert vier Minuten gnadenlos und treibt den Song unbarmherzig voran. Generell ist das Schlagzeug bei vielen Songs angenehm in den Vordergrund gerückt. Getragen wird es von harten, kantigen Gitarrenriffs, die mit regelmäßigen Tempowechseln Struktur in die Songs bringen und auch regelmäßig Platz für kurze gefühlvolle oder nachdenkliche Phasen schaffen. Besonders schön gelingt das in „Die Sünde Lebt“. Hier passt einfach alles – angefangen beim Gesang, bis hin zu den sekundenschnellen Wechseln von tanzbaren Beats, zu gesprochenen, treibenden Beats, die aufgefangen werden von einer brachialen Wand aus Instrumenten. Der Gesang von Heli Reißenweber wirkt durch ihre markante Struktur manche Male leicht neben dem Takt, oder aber bewusst un- rhythmisch platziert. Auch wenn dieser Effekt oftmals gewünscht ist, tut es dem „natür- lichen Fluss“ der Songs nicht immer gut. Umso glücklicher bin ich, dass bei ZORN bei vielen Songs auf dieses Stilmittel verzichtet wurde. Auf welchen Song man nochmal hinweisen sollte und nicht nur den Finger, sondern alle Leuchtschilder darauf richten sollte, ist „Bittersüß“. Der Beginn und der Refrain, erinnern doch ein kleines wenig an „Kann Denn Liebe Sünde Sein“ von NDH Gott Alex Weselsky und seinen Mannen von Eisbrecher. Hierbei wirkt das Ganze aber nicht wie ein billiger Abklatsch, sondern wie eine Reaktion. Der Text ist kritisch und spricht viele Tabus an, die leider in der heutigen Zeit immer noch thematisiert werden müssen, da sie leider vielerorts noch an der Tagesordnung stehen. Auch hier kann man den Albumtitel wieder zu Rate ziehen. Themen die den Zorn aufkochen lassen, finden auf diesem Langspieler ihren Platz. Andere bündeln ihre Wut in Gewalt oder Alkohol, bei MAERZFELD werden daraus musikalische Vorschlaghämmer, die sämtliche Wände und Grenzen einreißen.

MAERZFELD dürften mit ZORN nun endlich den Weg aus der Sackgasse NDH geschafft haben, einem Genre dem man Fortschritt nicht erlauben möchte. Bei ZORN sind Melodien nicht verpönt sondern gewollt und das Salz in der Suppe. Zum Glück kommen die harten Riffs und die satten Drums nicht zu kurz. ZORN ist ein gut gelungenes, modernes Rockalbum, das der deutschen Rock Szene frischen Wind einhaucht.

Tracklist

01. Zorn
02. Ohrblut
03. Die Sünde Lebt
04. Schwarzer Schnee
05. Reich
06. Bittersüß
07. Einer Wie Alle
08. Flammenhände
09. Menschling
10. Die Welt Reißt Auf
11. Zeig Mir Die Nacht (Münchener Freiheit Cover)

 

MAERZFELD - ZORN (Official Video)

 

zu hören bei www.darkradio.de