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Manticora - To Kill to Live to Kill 2018

In dem Jahrzehnt, in dem BLIND GUARDIAN der Saft ausging, machten sich einige Kapellen daran, den freiwerdenden Thron des Progressive Power Metal zu erobern. Namentlich waren das zum Beispiel SAVAGE CIRCUS, PERSUADER oder MANTICORA, leider allesamt ohne bleibenden Erfolg. SAVAGE CIRCUS verschwand nach einem saustarken Debütalbum aufgrund unerklärlicher Verzoffereien wieder in der Versenkung. Ein zweites Album, dann mit der halben PERSUADER Besetzung, ging sang- und klanglos unter. Selbige haben 2006 ein bärenstarkes Album namens "When Eden Burns" fabriziert, welches die Band aber nicht über die folgende Veröffentlichungspause von acht Jahren hinwegtragen konnte. MANTICORA haben bis zum Jahre 2010 als einzige, musikalisch gleichauf starke Band regelmäßige Alben veröffentlicht. Doch auch nach "Safe" im Jahre 2010 waren die Dänen auf einmal vom Markt verschwunden. Ebenfalls acht Jahre später folgt nun überraschend mit "To Live To Kill To Live" ein sehr ambitionierter Comeback-Versuch.

Nicht zuletzt dadurch erweist sich Lars in gewisser Weise als "Erzähler" der Geschichte und leitet den Zuhörer in ausdrucksstarker Manier durch die Songs. Teils filigrane, teils atmosphärisch angelte Instrumental-Passagen bzw. -Songs unterstützen den Spannungsaufbau auf gelungene Weise, allen voran das bezaubernde 'The Devil In Lisbon'. Die Spielzeit vergeht nicht zuletzt dadurch wie im Flug, wobei generell festzuhalten ist, dass "To Kill To Live To Kill" im Idealfall am Stück konsumiert werden sollte um das Album in seiner Gesamtwirkung auch erfassen zu können.

Musikalisch ist das Ding der Hammer, anders ist es nicht zu sagen. Nach einem verstörenden Beginn auf klassischer Basis [Herr Wilsberg! Das ist bitte das Klavierkonzert in b-moll vom Kollegen Tschaikowsky! Mike] prescht "Echoes Of A Silent Scream" mit unglaublicher Gewalt nach vorne. An der Grenze zum Thrash-Metal wird nicht nur gekratzt, sie wird praktisch gesprengt. Dabei bewegen sich die Mannen ziemlich weit vom melodisch progressiven Power Metal der Anfangstage weg. Die Instrumentierung klingt moderner, tiefer, härter. Das zieht sich durch das ganze Album, auch wenn es zum Beispiel bei "Through The Eyes Of The Killer: Towering Over You" sehr eingängig und melodisch zugeht. Die Assoziation von früher, mehrheitlich BLIND GUARDIAN, wird eher durch einen Verschnitt von düsteren Modern Metal-Bands wie KORN oder den DEFTONES mit leichter NEVERMORE-Kante ersetzt. Ganz ohne Zitate von früher geht es aber nicht, das ist auch nicht schlimm und tut dem Abwechslungsreichtum gut. Die mächtigen Chöre von "Katana: Awakening The Legacy" versetzen den Hörer ein ums andere Mal in Ekstase. "Growth" ist dann ein avantgardistisch progressives Meisterwerk. Verstörend atonal im einen Moment, verführerisch melodisch im nächsten, dynamisch und unvorhersehbar durch und durch. Das ist ganz hohes Niveau im Songwriting, welches man gerade im immer ramschiger werdenden Power Metal-Sektor lange vermisst hat.

Tracklist

01. Piano Concerto no 1 - B Flat minor...
02. Echoes Of A Silent Scream
03. Through The Eyes Of The Killer - Towering Over You
04. Katana - Awakening The Lunacy
05. The Farmer's Tale Pt. 1 - The Aftermath Of Indifference
06. The Devil In Lisbon (instrumental)
07. Growth
08. Humiliation Supreme (instrumental)
09. Nothing Lasts Forever
10. Katana - Opium
11. Through The Eyes Of The Killer - Revival Of The Muse That Is Violence
12. The Farmer's Tale Pt. 2 - Annihilation At The Graves

 

Manticora - Echoes Of A Silent Scream