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Obey The Brave - Mad Season 2017

Melodischer Hardcore, der mit eingängigen Refrains, dampfenden Breakdowns und Leidenschaft gut konsumier- sowie tanzbar ist.

Obey The Brave - Mad Season



Der Sound knackt und lässt gleichzeitig genügend Raum für Melodien - und auch mal ruhigere Töne. Ansonsten bekommt man absolut typische Obey The Brave-Kost: Melodischer Hardcore, der mit eingängigen Refrains, dampfenden Breakdowns und Leidenschaft gut konsumier- sowie tanzbar ist.

So schwingen sich OBEY THE BRAVE munter zwischen einigermaßen brachialen Parts und klebrigen, eingängigen Melodik-Passagen hin und her, überraschen mal mit fast in Gänze in Klargesang vorgetragenen Songs (“97 Again”), dann mit richtig wuchtigem, an PARKWAY DRIVE angelehnten Boller-Metalcore (zum Beispiel im Opener “On Thin Ice”). Diese Mischung aus poppigen Ohrenklebern und wuchtigen Dicke-Eier-Parts kriegen OBEY THE BRAVE auf “Mad Season” dabei fast so gut hin, wie THE GHOST INSIDE auf ihrer bisher letzten Platte “Dear Youth”

Der Nachfolger von "Salvation" aber enthaelt sich groesstenteils jeglicher Ueberraschungen. "On This Ice" spult ein lauwarmes A DAY TO REMEMBER-like Intro runter, anschliessend begeistert der Track mit kaum etwas anderem als seiner plastischen Produktion und seinem vorhersehbaren Arrangement. "On Our Own" klammert sich an Punkrock und Old School Brett, zumindest bis Frontmann Alex Erian die kraftvolle Dynamik der Strophe mit einem kargen Grundschul-Refrain verhaftet. Nein - FIRST BLOOD oder PARKWAY DRIVE schwimmen der Band aus Montreal nicht meilenweit davon, wenn es um Poesie vs. Abriss geht. Erstere aber haben die spielerische Power schlicht mit Loeffeln gefressen, letztere hingegen sind in Sachen Songwriting und Mischverhaeltnis einfach stetig in Richtung Zenit unterwegs. Zu "97 Again" mischen Erian, die Gitarristen John Campbell und Terrence McAuley, sowie Basser Cory Wilson und Schlagzeuger Stevie Morotti viel Pop unter ihren Stadioncore - dieser macht daraufhin schon deswegen mehr Sinn, weil es sich zum besungenen Inhalt so richtig schoen in Highschoolzeiten schmoekern laesst.

"Les Temps Sont Durs" klingt mit seinen gaenzlich auf franzoesisch gehaltenen Lyrics beinahe noch unschuldiger als der weiche Refrain von "Drama" in dessen sehr aehnliches, abgegriffenes Schema sich spaeter auch das sonst ueberwuchtige "Feed The Fire" einreiht. Wer sich bereits jetzt auf die Impericon-Tour 2022 freut, dem/der ist mit "Mad Season" sicherlich vorerst sinnvolle Hilfestellung geboten. Andere erfreuen sich an den benannten "Keep it simpel, keep it real"-Momenten oder am kontrastreichen Einstreuer "RIP", eine Rap-Rock-Collaboration mit den Kollegen von LOUD LARY AJUST, die an eine Mischung aus HOLLYWOOD UNDEAD und IAM erinnert. Das voellig ueberschwemmte Genre, welches OBEY THEY BRAVE mit mittlerweile drei Alben in fuenf Jahren Bandgeschichte mitgestalte(te)n aber hat definitiv mehr zu bieten wenn es um Schmuckes statt nur Schmackes geht.

Tracklist

01. On Thin Ice
02. Drama
03. On Our Own
04. Mad Season
05. 97 Again
06. Les Temps Sont Durs
07. Low Key
08. Feed The Fire
09. The Distance
10. Way It Goes
11. RIP
12. This Is It

https://www.youtube.com/watch?v=bKsmmSntEzw