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Possessed - Revelations of Oblivion 2019

Eigentlich verbergen sich hinter „Revelations Of Oblivion“ gleich zwei Sensationen: Zum einen natürlich ist es das erste Full-Length-Album von POSSESSED seit über 30 Jahren. Auch wenn die Band bereits lange Zeit vorher reaktiviert worden ist und sich um Bandgründer Jeff Becerra fast ein kleines All-Star-Lineup geschart hat, kam es erst 2017 zu einem Plattenvertrag bei Nuclear Blast und nun, 2019, endlich zur Veröffentlichung des besagten Albums. Die zweite Sensation hat mit dessen Qualität zu tun. Sicher haben die Herren auch den Vorteil, dass sie als Urväter des Death Metal einen anderen, deutlich ursprünglicheren Blick für die Dinge haben.

Chant Of Oblivion

Knapp zweiminütige Intros gehören ja eigentlich verboten, aber scheiße: Diese dumpf herüberwehende Kirchenglocke vermag die aufkeimende Vorfreude und Spannung noch zu steigern.

No More Room In Hell

Fies losriffen, obenrum die kleinen Toms abklöppeln, und dann Action: Possessed sind wieder da! Ein böser Bastard aus Death- und Thrash Metal, wie man ihn erwarten durfte, wollte und musste. „When the churches burn to dust“ bleiben auch keine sieben mehr übrig.

Dominion

Sirrendes Riffing und ein Jeff Becerra, der trotz seiner (für Nicht-Connaisseure) relativ gleichförmigen Stimmlage bemüht ist, Melodien einzubringen beziehungsweise den Gitarrenlinien zu folgen. Mehr Klöppel-Toms am Ende!

Damned

Noch mehr Klöppel-Toms! Dann grooviger Einstieg und galoppierende Strophen die zeigen, dass die Erfinder des Death Metal durchaus von Exodus beeinflusst waren und sind

Demon

Ein Anfangs-Riff, das die jungen Slayer blind auf ihre Platten gepackt hätten. Dann wird das Tempo rausgenommen, Fäuste hoch, Satan preisen, das Symbol des Verlangens (zumal Jeff hier partiell ein bisschen an Cronos erinnert)! Geiler Midtempo-Headbang und dann wieder Thrash-Gekloppe.

Abandoned

Wieder feistes Riffing, und ihr ahnt schon, was. So langsam fällt auch die arschcoole Produktion auf, die es schafft, die urwüchsige Rohheit von Possessed in die spielerische Präzision der Jetztzeit zu transponieren.

Shadowcult

Der Song über die perverse Weltelite thrasht mächtig nach vorne, streut später aber noch beinahe progressives Riffing und interessante Tempowechsel ein.

Omen

Der Song überrascht mit rockigem Flair und Riff-Folgen, die auch Skeletonwitch gut stünden. Chance Garnette wird Löcher bis zum Mars in die Luft fisten. Obskurer Mittelteil mit choralem Gesang.

The Word

Das Intro könnte noch zu Behemoth passen, dann werden aber munter Thrash und rollende Bassdrums von der Leine ge­lassen. An dieser Stelle auch ein Lob für die Soli des Albums, die von wild und wütend bis harmonisch einen stilistisch breiten Geschmack offenbaren.

Graven

Die Glocke läutet wieder, und das Riffing ist regelrecht modern, mit verzögertem Einstieg von Jeff („Six, six, six“). Dann wird wieder geknüppelt bis zu einem interessanten Mittelteil, den Slayer zwischen 1995 und 2015 gebraucht hätten.

Temple Of Samael

Das knapp zweiminütige Outro lässt das Album mit dezent gezupfter Akustikgitarre ausklingen. Im Hintergrund pfeift dämonischer Wind.

Possessed sind trotz der personellen Umbesetzung noch immer unverkennbar. Die Zutaten sind gleich geblieben: rasende Gitarrenläufen, ohne Ende ballernde Drums und ein Sänger, der mit seinem Rotz in der Stimme einen hohen Wiedererkennungswert hat.

Tracklist

1     - Chant Of Oblivion     1:53     
2     - No More Room In Hell 4:48     
3     - Dominion 4:25     
4     - Damned 5:00     
5     - Demon     5:16     
6     - Abandoned 5:20     
7     - Shadowcult 4:43     
8     - Omen     6:41     
9     - Ritual     4:47     
10     - The Word 5:09     
11     - Graven     4:19     
12     - Temple Of Samael 1:49

 

POSSESSED - "No More Room In Hell" (OFFICIAL VISUALIZER)