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Rotting Christ - The Heretics 2019

Es gibt wieder einmal etwas zu feiern: vor über 2000 Jahren starb Jesus von Nazareth! Zu feiern zumindest aus häretischer Sicht; oder aus der Sicht von ROTTING CHRIST. "The Heretics", die mittlerweile 13. Gotteslästerung der Griechen, wurde der Welt zu diesem Anlass feierlich offenbart, zum wiederholten Male von den Ketzer-Gebrüdern Sakis und Themis Tolis selbst produziert und vom schwedischen Multitalent Jens Bogren (BORKNAGAR, OPETH, IHSAHN, DEVIN TOWNSEND, KATATONIA etc.) veredelt.

1. In The Name of God
Nach ein paar kleinen Dissonanzen schwenkt das Intro direkt in einen sehr melodischen und episch-atmosphärischen Einstieg um. Wie eine Predigt wirkt der eingesprochene Textpart, der die ruhigeren Stellen des Stücks begleitet. „In The Name Of God“ besticht aber vor allem durch ein sehr angenehmes und nachvollziehbares Pacing, das sich in sehr unterschiedlichen Tempos äußerst, die stets gekonnt miteinander verwoben sind.

2. ????? ???? (Vetry Zlye)
Mit rollenden Drums steigt der zweite Track ein, bevor sich melodische Gitarren hinzugesellen. Wie der Titel schon sagt, sind die Lyrics hier auf Russisch gehalten. Guest Vocals hat dazu GRAI-Sängerin Irina Zybina beigesteuert. Abgerundet wird der Gesang außerdem durch cleanen und roughen Chorgesang.

3. Heaven and Hell and Fire
Mit einer Geräuschkulisse, die an einen Horrorfilm erinnert, startet „Heaven And Hell And Fire“ äußerst passend. Der Song wirkt auch im weiteren Verlauf härter und düsterer als seine Vorgänger, schafft es dabei aber mit einer sehr coolen, melancholisch anmutenden Melodie und einigen leicht arhythmischen Stellen ein wirklich breites Spektrum abzudecken.

4. Hallowed Be Thy Name
Mit „Hallowerd By Thy Name” hält der Doom Einzug auf „The Heretics“. Mit geflüsterten Vocals entsteht eine unheilvolle Atmosphäre, die durch die Chöre und die epischen Anleihen des Stücks noch weiter verstärkt wird. Im Outro bringt ein „schreiendes Flüstern“ diese beklemmende Stimmung dann auf den Höhepunkt.

5. Dies Irae
Im Vergleich zu seinem Vorgänger ballert „Dies Irae“ geradezu los. Das hohe Tempo wird aber nicht durchgehend gehalten, sondern wechselt sich mit langsameren Passagen ab. Entspanntes Kopfnicken und Headbanging passen sich so regelmäßig den Ball zu. Besonderer Hinhörer dieses Stücks ist das Riff in der Bridge, die allgemein ordentlich Spannung aufbaut.

6. ??ste??
Vom Titel und vom Text verstehen wir erst mal nichts, was den Hörgenuss aber nicht schmälert. Hier ballert es wieder, und zwar angeschwärzt. Chorgesang ist auch wieder mit von der Partie, wenn auch mehr im Hintergrund. Dazu passiert noch einiges anderes. Die Musik wirkt atonal/dissonant, und das zweifellos mit voller Absicht als Kontrast zum gesprochenen Text im Vordergrund.

7. Fire God And Fear
Der ätherische Sound und das Vogelgezwitscher, das einen am Anfang von „Fire God And Fear“ erwartet, steht im krassen Gegensatz zum fast bedrohlich wirkenden Ende seines Vorgängers. Besonderen Eindruck macht, bevor es Musik auf die Ohren gibt, das Voltaire-Zitat „Those who can make you believe absurdities, can make you commit atrocities“. Intoniert wird es von Dayal Patterson, der – neben einigen anderen Werken – zusammen mit Sakis Tolis die ROTTING CHRIST-Biografie verfasst hat. Auch die ungewöhnliche Melodie besticht.

8. The Voice Of The Universe
Gerade als man schon gedacht hatte, mit „Fire God and Fear“ das Highlight auf „The Heretics“ gefunden zu haben, kommt „The Voice Of The Universe“ um die Ecke. Schon das Riff zu Anfang versprüht eine dunkle Atmosphäre, die wenig später durch fast atavistisch klingende Trommeln noch verstärkt wird. Diese wechseln sich mit wunderbar melodeathigen Gitarren ab. Gastsänger ist übrigens Ashmedi von MELECHESH. Hier haben ROTTING CHRIST einen Volltreffer erzielt.

9. The New Messiah
„The Heretics“ ist aber noch nicht zu Ende. Im Gegenteil, es wartet noch mal mit etwas Neuem auf. Ein sludgiger Einstieg überrascht und nimmt den weiteren Verlauf von „The New Messiah“ gleich vorweg. Eine coole Gitarrenmelodie kommt zwar noch dazu, aber insgesamt ist das Stück dann doch deutlich schwächer als der Rest dieses ROTTING CHRIST-Albums.

10. The Raven
Wie der Titel schon verrät, basiert „The Raven“ auf dem gleichnamigen Gedicht von Edgar Allan Poe. Ein Kracher zum Abschluss wird zwar auch dieses Stück nicht, aber es hat einige definitive Momente. Dazu gehören unter anderem ein sehr cooles Solo und die Stimme des Gastsprechers, Stratis Steele, den ROTTING CHRIST für dieses Stück gewonnen haben.

Eines ist jedenfalls klar: die langjährigen Underground-Helden haben es sowieso schon an die Spitze des Olymps geschafft. Nach über 30 Jahren, 13 Full-Length-Alben (jedes davon im Kontext seiner Zeit sehr gut bis hervorragend), dutzenden EPs, Singles und Splits und mehr als 1250 Konzerten haben sich die unermüdlichen Griechen ihren heutigen Status aber auch redlich verdient. Doch heißt das, sie sind unfehlbar? Die Schöpferkraft einer Band muss doch auch irgendwann ihr Ende finden…

Tracklist

1. In The Name Of God (04:14)
2. Vetry Zlye (03:13)
3. Heaven And Hell And Fire (04:52)
4. Hallowed Be Thy Name (05:06)
5. Dies Irae (03:46)
6. I Believe (03:42)
7. Fire God And Fear (04:50)
8. The Voice Of The Universe (05:23)
9. The New Messiah (03:07)
10. The Raven (05:23)

 

Rotting Christ - ????? ???? - (featuring Irina Zybina)