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Sacred Reich - Awakening 2019

Es ist DAS Thrash-Metal-Comeback des Jahres: Seit 2007 tourten die Arizona-Thrasher von SACRED REICH in den Hallen, Bühnen und größeren Festivals dieser Welt, um die Gemeinde mit einstigen Göttergaben wie "Ignorance", "The American Way" oder zum Teil auch "Independent" live zu beglücken. Phil Rind und Co. sorgten für viele Moshpits, doch auch für relativ vorhersehbare Setlists, denn an neues Material war zumindest bis vor anderthalb Jahren nicht zu denken. Doch Rind und Co. juckte es in den Fingern und bevor zumindest die Idee von etwas Neuem reifen konnte, ging ein größerer Ruck durch das Bandgefüge. Greg Hall wurde durch den eigenen 1990er-Jahre-Schlagzeuger Dave McClain ersetzt und die Idee reifte immer mehr.

Könnten die vier Jungs 23 Jahre nach "Heal" überhaupt an die damalige Zeit ansetzen? Und ausgerechnet bevor alles spruchreif wurde, musste Jason Rainey aus gesundheitlichen Gründen die Segel setzen und wurde durch den Jungbrunnen Joey Radziwill ersetzt. Doch dann erschien Anfang April die Split-EP mit IRON REAGAN und 'Don't Do It Donnie' machte unheimlich viel Freude auf mehr. Dieses "mehr" folgte dann auch mit dem recht straighten, aber bei Fans eher als unspektakulär eingestuften 'Awakening" Mitte Juni sowie mit dem unaufhaltsamen Riff-Monster 'Manifest Reality' und spätestens dann durfte festgestanden haben: SACRED REICH ist zurück!

"Awakening" heißt das neue Album, hätte treffender nicht tituliert werden können und knüpft genau dort an, wo die Jungs 1990 mit "The American Way" einen Szenemeilenstein veröffentlichten. Der Spirit, die Energie, der Charme sowie das Feuer ist exakt wie vor 29 Jahren: Als hätten die letzten drei Dekaden nie existiert, versprüht "Awakening" ein affengeiles Underground-Feeling und lässt bei all den genialen Riffs, tollen Breaks und Erhobenen-Zeigefinger-Texten wahrlich nichts anbrennen. Zu Rinds passenden Vocals und Arnetts Soli gesellen sich mit McClain ein Drummer, der den Geist SACRED REICHs perfekt in die Gegenwart transportiert und mit Radziwill ein überaus talentierter Jungspund, der den Spagat aus damaligem "The American Way"-Glanz und der Moderne durch seine filigrane Gitarrentechnik überhaupt erst möglich macht.

Als Erstes darf gleich der Titeltrack Awakening um die Gunst der Thrasher buhlen. Das Klangbild der alten Schule bleibt bestehen und nach zwölf Jahren kann man Surf Ignorance nicht mehr als aktuelles Langeisen durchwinken. Wie hat das Quartett diese Pause genutzt? Was bekommt der Hörer auf die Ohren und wo stehen Sacred Reich überhaupt noch auf der ewigen Genre Skala? Der Opener ist gut, ohne Frage, jedoch kein Überflieger, der das Toupet von der Glatze bläst. Schroff, mit einem feinen Blick in das aktuelle Geschehen, lässt Phil Rind kaum ein Facelift zu. Der Mix aus Thrash und Heavy drückt aus der Anlage, die Riffs kennen wir bereits aus den Händen der Musiker, trotzdem kann man die acht Werke laut aufdrehen und man hat sogar Spaß dran. Divide & Conquer setzt mehr auf Joey Radziwill und Wiley Arnett. Die beiden Gitarristen übernehmen die Zügel und bringen immer mehr ihres Könnens ein. Die auf Refrains basierenden Lyrics bleiben im Kopf, bringen aber auch eine Replay-Funktion mit, die gut ausgeschlachtet wird. Als tückisch oder gar hinterhältig kann man Awakening nicht bezeichnen. Viel mehr bringen Sacred Reich ihren Klang noch einmal auf die Konserve. Never Change A Winning System dürfte unter anderem ein Motto des Longplayers gewesen sein. Manifest Reality, Killing Machine und Death Valley werden mit harter Linie geführt, während Phil am Mikrofon immer wieder versucht, die Breite zum Heavy Metal zu finden. Das wiederum ist ebenfalls nicht neu und zeigt das in Stein gemauerte Konzept auf einem angemessenen wie ansprechenden Niveau.

Der Gesang von Phil Rind ist charismatisch wie eh und je (wenngleich er sich neben dem Bellen mehr Gesangseinlagen als früher gönnt), die Band macht aus ihrer Vorliebe für die alte Schule keinen Hehl, und dazu ist die Produktion wie gewohnt weit entfernt von modernem Hochglanz. Der ganz große Wurf ist AWAKENING nicht, alles wirkt ebenso charmant wie altbacken und schlicht, und das Feuer früherer Tage ist noch nicht komplett wieder entfacht. Aber als Appetithappen für kommende Aufgaben (und Hinweis darauf, dass man sich mal wieder durch die Diskografie hören sollte) taugt dieser 31-minütige Thrash-Wirbel allemal.

Tracklist

1. Awakening
2. Divide And Conquer
3. Salvation
4. Manifest Reality
5. Killing Machine
6. Death Valley
7. Revolution
8. Something To Belive

 

Sacred Reich "Awakening" (OFFICIAL VIDEO)

 

zu hören bei www.darkradio.de