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Schandmaul - Artus 2019

„Schandmaul“ sind die wohl beständigste Mittelalter beeinflusste Band Deutschlands. Mit ihrer besonderen Art erzählen Sänger Thomas und seine Gefährten Geschichten, Sagen und Anekdoten und vertonen diese so gekonnt, dass man sich stets über eine wachsende Fangemeinde freuen kann. Mit „Artus“ legen Schandmaul ein weiteres Album vor, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

„Der Meisterdieb“ eröffnet den Langspieler auf melodische Art und Weise. Typischer Schandmaul-Sound erzählt die Geschichte von Robin Hood und seinen Raubzügen. Auf den Dieb folgt „Der Totengräber“. Auch wenn der Titel eher traurig und melancholisch klingt, ist der Song überaus freudig und lädt zum Tanzen ein. Fröhlicher Flötenklänge tragen leicht und flockig durch den Song. Etwas rockiger kommt direkt im Anschluss „Vagabunden“ daher. Flott und dominiert von Dudelsackklängen wird der Vergangenheit gefrönt und an alte Zeiten gedacht und das Beste von damals in die heutige Zeit transportiert. Gleichzeitig auch ein Zeichen, dass es noch lange nicht vorbei ist. Heiter und fröhlich startet „Der Froschkönig“. Märchenhaft der Text, klangvoll die Melodie und geschickte Tempowechsel im Gesang geben dem Song alles was er braucht, um nach dem starken Beginn des Albums nicht unterzugehen, obwohl es sicher nicht der stärkste Song ist. Treibend und mit voller Kraft voraus geht es in „Auf und davon“ zur Sache. Auch hier machen Tempowechsel das Gewisse extra, sowohl gesanglich, als auch musikalisch. Der Song ist aber im Allgemeinen so einnehmend und stark, dass das nur die Kirsche auf der Sahne ist. Ruhiger und melancholischer klingt der „Kapitän“.
Einzelne druckvolle Passagen setzen Akzente, ohne aber aus dem Fluss des Songs zu reißen. Nach den eher flotten ersten Songs kommt dieser Track genau zur richtigen Zeit. Schandmaul präsentieren die gesamte Bandbreite ihres Könnens jetzt schon auf brillante Art und Weise. „Oboe“ beginnt richtig heavy. Kratzige Gitarren führen in den Song und harmonieren beeindruckend gut mit den altertümlichen Instrumenten. Zwar kennt man diese Kombination von Schandmaul sehr gut und schon öfter hatten sie bewiesen, dass sie verstehen was sie tun, aber hier bekommt man das Paradebeispiel serviert. „Chevaliers“ beginnt dunkler und drückender als die bisherigen Songs. Fast ein wenig bedrohlich klingen die ersten Töne. Im Verlauf der knapp vier – rein Instrumentalen – Minuten schwenkt die Stimmung aber um in positive Klänge. Von keinem Gesang zu rein gesprochenem Text geht es schnell. „Die Tafelrunde“ versetzt uns in die Geschichte von Sir Lancelot, ein Ritter der Tafelrunde von König Artus. So finden wir nun auch endgültig, nach mehreren Anspielungen in vorherigen Songs, den Bezug zum Albumtitel. Lancelot und seine Ritterkollegen haben die meiste Zeit ihres Daseins nach dem Heiligen Gral gesucht, wobei niemand so wirklich wusste, was das eigentlich ist. Eine weitere Geschichte aus dem Königreich von König Artus schließt also direkt an und heiß passenderweise auch „Der Gral“. „Die Insel Ynys Yr Afallon“ verbreitet eine unfassbar positive Stimmung und lädt zum Aufbruch in eine gute Zeit ein. Den Abschluss des Albums liefert „Der weiße Wal“. Wer zum Abschluss einen richtigen Kracher erwartet hat, wird leider enttäuscht. Eher ruhig und besinnlich wird das Ende eingeläutet.

Schandmaul überraschen mit „Artus“ sowohl eingefleischte als auch neue Fans. Eine derart experimentelle CD gab es von den Süddeutschen noch nie. Die Trademarks wurden beibehalten, aber deutlich weiterentwickelt. Man spürt einfach, dass diese Band immer noch Hunger und Bock auf neue Klänge hat. „Artus“ braucht einige Hördurchläufe, kann aber dann begeistern und sorgt für eine unvergessliche Reise.

Tracklist:

01 Der Meisterdieb
02 Der Totengräber
03 Vagabunden
04 Froschkönig
05 Auf Und Davon
06 Der Kapitän
07 Die Oboe
08 Chevaliers
09 Die Tafelrunde
10 Der Gral
11 Die Insel – Ynys Yr Afallon
12 Der Weiße Wal

 

Schandmaul - Der Totengräber