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Sepultura - Quadra 2020

Quadra heißt der neue Flummi aus dem Hause Sepultura, auf dem sich die Musiker um das letzte verbleibende Sepultura Originalmitglied Andreas Kisser gemeinsam austoben. „Bei Quadra hatten wir das Bedürfnis, dieses traditionelle Thrash-Gefühl von Beneath The Remains oder Arise heraufzubeschwören – nur eben aus heutiger Sichtweise“, sagt Andreas Kisser. „Nimm die Tribal-Percussions, die orchestralen Elemente, die Chöre, die Melodien und die Clean Vocals dazu – und du bekommst einen Schnelldurchgang durch unsere gesamte Karriere, legiert mit einem massiven und modernen Ansatz.“

Die Mannschaft ist nun seit drei Jahren in dieser Konstellation vereint, auf dem neuen Bollwerk kommt trotz der Einigkeit aber jeder auf seine Kosten und kann sich komplett austoben. Generell wirkt "Quadra" um einiges freier, entfesselter, was dieser Bestie aus den Tiefen Brasiliens sehr zu Gute kommt. Hört euch nur 'Capital Enslavement' oder das als Single ausgekoppelte 'Isolation' an. In der Green-Ära wirkte die Band selten abwechslungsreicher und verspielter, trotzdem besinnen sich die Vier auf ihre ureigenen Stärken.

Ein wenig "Arise"-Esprit hier, ein bisschen "Roots"-Experimentierfreudigkeit dort, all das garniert mit den harschen Derrick'schen Vocals, einer wuchtigen Produktion und – trotz der Verweise auf die Vergangenheit – einem dezent neuen Glanz. Speziell die Melodien gegen Ende des Albums faszinieren.

Isolation

Nach einem episch-orchestralen Intro mit Chor wird ein fettes Thrash-Riff nachgelegt. Spätestens mit Einsetzen der Vocals fühlt man sich an Slayer zu deren besten Zeiten erinnert. Was darf außerdem nicht fehlen? Richtig, ein ausgedehntes Gitarrensolo vor dem epischen Finale!

Means To An End

Im Vergleich zum Opener geht es hier zunächst deutlich Groove-betonter zu. Zuweilen hat man das Gefühl, hier würden Titel der ROOTS-Ära von Slipknot interpretiert. Im weiteren Verlauf gibt es speziell am Schlagzeug noch die ein oder andere interessante Variation.

Last Time

Nach einem Tapping-Intro wird erst mal ordentlich drauflosgedroschen. Hier wird Chaos in eine umwerfende Form gepresst – vertrackte Rhythmiken ergänzen sich mit Gitarrensoli und Choraufnahmen, wie sie auch schon bei ‘Isolation’ zum Einsatz kamen.

Capital Enslavement

Nach einem Tribaldrum-Intro mit ROOTS-Charakter und Stammesgesängen wird es punkig und schnell – plötzlich eine Pause. Während man noch überlegt, ob es sich schon um den nächsten Song handelt, bekommt man dissonante Streicher auf die Ohren. Es endet mit abgehackten, von Schreien akzentuierten Akkorden.

Ali

Direkt zu Beginn zeigt Schlagzeuger Eloy Casagrande, was er kann. Über verschiedene Groove-Strecken endet die Hommage an Muhammad Ali schließlich in einem Sechsachteltakt.

Raging Void

Im Verlauf des Songs werden wieder die verschiedensten Schlagzeugmotive offeriert. Der Zuhörer muss sich konzentrieren, um alles zu erfassen. Im Refrain wird es dagegen melodisch – Assoziationen mit Mastodon werden wach.

Guardians Of The Earth

Eine alleinstehende Klargitarre wird nach kurzer Zeit um ein sanftes Schlagzeug ergänzt. Hier wird auf Rimclicks an der Snare gesetzt – der wohl dynamischste Song des Albums, denn es bleibt nicht clean. Später kommt erneut ein Chor zum Einsatz.

The Pentagram

Auch der Folgetitel ist nicht minder progressiv: Das Instrumentalstück gibt an allen Fronten Gas, so dass es schwerfällt, alles zu verarbeiten. Ein absoluter Höhepunkt der Platte – bleibt zu hoffen, dass Sepultura den Titel in ihr Liveset aufnehmen werden.

Autem

Das Phaser-getränkte Intro klingt fast nach Alternative Rock. Auch im weiteren Verlauf bleibt der Titel einer der ruhigeren auf QUADRA und offeriert einen ziemlich griffigen Refrain.

Quadra

„Um, dois, três, quatro“, schallt es zu Beginn. Dann folgt ein Klargitarren-Interludium, das nicht so richtig weiß, wo es hinwill. Hier wird, wie Green verrät, primär der Folgetitel vorbereitet.

Agony Of Defeat

Es geht einmal mehr mit Riffing und Orchesterelementen los. Der Song hat teilweise gar Muse-Vibes, wenn auch ungleich härter und mit Doublebass versehen. Eine interessante Kombination.

Fear; Pain; Chaos; Suffering

Zum Schluss wagen Sepultura ein Duett mit Emily Barreto, ihres Zeichens Frontfrau bei Far From Alaska. Klarer, weiblicher Gesang – so etwas gab es bei Sepultura noch nie. Am Ergebnis werden sich die Geister scheiden…

Sepultura zeigen mit ­QUADRA einmal mehr, dass ihr kreatives Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Das Album hat alles, was man von der Band gewohnt ist, lässt aber auch interessante Neuerungen zu und fordert den Hörer.

 

 

Bandmitglieder:

Gesang – Derrick Leon Green
Gitarre – Andreas Kisser
Bassgitarre – Paulo Xisto Pinto Jr.
Schlagzeug – Eloy Casagrande

Tracklist:

  1.     Isolation
  2.     Means To An End
  3.     Last Time
  4.     Capital Enslavement
  5.     Ali
  6.     Raging Void
  7.     Guardians Of Earth
  8.     The Pentagram
  9.     Autem
  10.     Quadra
  11.     Agony Of Defeat
  12.     Fear, Pain, Chaos, Suffering

 

SEPULTURA - Isolation (OFFICIAL MUSIC VIDEO)

 

zu hören bei www.darkradio.de