Skip to main content

Van Canto - Trust in Rust 2018

Die legendäre deutsche A-Cappella-Crew Van Canto pustet schon seit 2006 amtliche Vocal-Power in die Metal-Welt, und ihr siebtes Studioalbum belegt lautstark, dass die sieben Donnerstimmen aus eben jener nicht mehr wegzudenken sind. Neuerdings verstärkt durch Rakkatakka-Seelenverwandten Hagen und den zurückgekehrten Ike, decken Van Canto 2018 eine riesige stilistische Bandbreite ab: Trust in Rust gibt sich mal hochmelodisch, flirtet dann mit purem Bombast und Balladen, zeigt sich aber mit Hard-Rock-Hymnen und Speed-Metal-Ballbreakern schnell wieder von schwermetallischer Seite. Mit dem AC/DC-Cover ‘Hell`s Bells’ und der Helloween-Ehrerbietung ‘Ride the Sky’ (feat. Kai Hansen) rundet die Band ein reifes Album mit gewohnt atemberaubender Sangesachterbahn ab. Unermüdliches Touren und diverse Alben hoch oben in den Charts machen Van Canto ganz sicher nicht zu altem Eisen – sondern vielmehr ist man stolz auf die Patina, die lange Jahre im Dienste der menschlichen Stimme im Heavy Metal hinterlassen haben: “We will not kneel before stainless steel – for patina we lust – Trust in Rust!” Sieben Stimmen, siebtes Album – und 2018 geht es natürlich auf “Tour Number Seven” mit Evertale und MoonSun.

Im letzten Jahr hatten Van Canto den Abgang von Leadsänger „Sly“ Schunke zu verkraften. Dafür ist Hagen Hirschmann neu und Ingo „Ike“ Van Canto Trust In Rust CoverSterzinger wieder dabei. Das letzte Album „Voices Of Fire“ war ja ein sogenanntes „Metal Voices Musical“, bei „Trust In Rust“ haben wir es hingegen wieder mit einem „normalen“ Van Canto Album zu tun. Das heißt in diesem Fall: neun eigene Songs und zwei Coverversionen von bekannten Metal-Songs. Die neukomponierten Songs sind eigentlich allesamt nicht schlecht, aber den Verlust von Sly kann die Band einfach nicht kompensieren. Seine kräftige Leadstimme fehlt an allen Ecken und Enden. Am wenigsten fällt dies noch ins Gewicht, wenn Sängerin Inga Scharf die Leadstimme übernimmt. Hagens Stimme kann bei den ruhigeren Titeln einigermaßen überzeugen, aber für die härteren Tracks fehlt ihm einfach die Power in der Stimme.

Ja, Veränderungen sind immer schwer. Nach zwölf Jahren Bandgeschichte ist es natürlich insbesondere, wenn man sich auf stilistisch eng abgestecktem Terrain bewegt, nicht einfach, relevant zu bleiben. VAN CANTO wollten hier ganz offensichtlich Experimente wagen und Veränderungen zulassen. Gerade zu Beginn wird häufiger auf Eingängigkeit verzichtet und stattdessen versucht kerniger zu klingen, was nicht immer so richtig klappen will, da die gewohnten hymnischen Momente nach wie vor die meisten Highlights bereit halten. Trotz allem ist der Versuch sich zu verändern sicher notwendig und funktioniert an vielen Stellen bereits richtig gut. „Trust in Rust“ ist ein toll produziertes Album mit einer Menge starker Nummern, die gerade nach ein paar Durchgängen lange im Gehörgang kleben bleiben, auch wenn man eine weitere Großtat wie „Tribe of Force“ aus dem Jahre 2010 nicht erwarten kann.

Tracklist

CD 1

1. Back in the Lead
2. Javelin
3. Trust in Rust
4. Ride the Sky (feat. Kai Hansen)
5. Melody
6. Neverland
7. Desert Snake
8. Darkest Days
9. Infinity
10. Hells Bells
11. Heading Home

CD 2 - Best Of - Orchestral Versions

1. The Mission (Orchestral Version)
2. Rain (Orchestral Version)
3. Hero (Orchestral Version)
4. Take to the Sky (Orchestral Version)
5. Water Fire Heaven Earth (Orchestral Version)
6. My Voice (Orchestral Version)
7. If I Die in Battle (Orchestral Version)
8. The Higher Flight (Orchestral Version)
9. Unholy (Orchestral Version)
10. The Other Ones (Orchestral Version)

VAN CANTO - Neverland (Official Video) | Napalm Records