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Versengold - Nordlicht 2019

Mit “Nordlicht” veröffentlichen VERSENGOLD ihr nächstes Studioalbum, nachdem sie mit dem Vorgänger „Funkenflug“ überraschend auf Platz 2 der deutschen Albumcharts landeten. Das doch sehr generische Cover, das an SANTIANO erinnert, macht skeptisch – wieviel VERSENGOLD wird tatsächlich noch auf diesem Album sein? Doch die Jungs haben sich musikalisch nicht verbiegen lassen und präsentieren mit „Nordlicht“ die nächste Welle an neuen Fan-Favoriten.
Der inhaltliche Schwerpunkt von “Nordlicht“ liegt, so sagt es bereits der Name, im Norden und all seinen Geschichten. Dabei fällt auf, dass VERSENGOLD offenbar ihre dunkle Seite entdeckt haben.

VERSENGOLD setzen mit “Nordlicht“ ihrer Heimat ein kleines Denkmal, schließlich entdeckt man auf der Platte historische Bezüge zum Teufelsmoor zwischen Bremen und Bremerhaven (“De rode Gerd“) genauso wie Liebeslieder an den Norden mit maritimen Flair im Singer-Songwriter-Gewand (“Küstenkind“). Doch auch abseits der nordischen Themen überzeugt das Album auf allen Ebenen. Kaum eine Band schafft es ihre Aussagen in derart bildgewaltige Texte zu verpacken wie VERSENGOLD. “Erinnere Dich (Ein Lied, das nicht vergisst)“ ist der emotionale Höhepunkt des Albums, setzt es sich doch mit dem Thema Demenz auseinander, ohne in Kitsch abzusinken. Niveauvoll, traurig und lyrisch hochwertig zeigt die Band ihre tiefgründige Seite ebenso wie in “Die Blätter, die im Frühling fallen“, einer ausdrucksstarken Gesellschaftskritik, über ein System, welches nicht in der Lage zu sein scheint, Perspektivlosigkeit bei Jugendlichen zu bekämpfen, an den richtigen Stellen zu unterstützen und offen mit diesem Problem umzugehen. “Der ganze Baum ist krank, wenn seine Blätter im Frühling fallen“ – VERSENGOLD finden dafür die passenden Worte.

Auch aktuell heiß diskutierte Themen finden ihren Weg auf das Album. Mit zierlichen Streichern und mahnendem Klavier wird in “Meer aus Tränen“ die Flüchtlingsproblemantik aufgegriffen und der Umgang mit selbiger in der Gesellschaft und durch das Individuum kritisiert. VERSENGOLD kombinieren hier also den erhobenen Zeigefinger gekonnt mit Selbstreflexion, was in vielen aktuellen Diskussionen ein hilfreicher Ansatz wäre. Mit “Braune Pfeifen“ zeigen VERSENGOLD indes ihr Talent, einem Partysong einen Text mit einer starken Aussage zu verpassen. Ein klares Statement gegen rechts, zudem es sich vortrefflich tanzen lässt, zeigt die perfekte Melange aus alten und neuen Einflüssen im VERSENGOLDschen Folk-Gewand.

“Butter bei die Fische“ ist ein Ohrwurm vor dem Herrn, was vor allem am markanten Banjo-Intro liegt, das sich gekonnt durch den gesamten Song zieht. Der fast schon punkige Song verströmt ein derart positives Gefühl, dass man davon gute Laune bekommen muss. Schließlich ist “Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ ein Lied für Fans aller Phasen der Band. Lebendig und dynamisch folkt sich die Nummer nach vorne, erzählt eine herrlich übertriebene Geschichte, wie die Götter im Suff die Erde erschufen und nimmt auf die Art auch irgendwie die “Flach-Erdler“ aufs Korn.

VERSENGOLD erschaffen mit “Nordlicht“ ein Album, das alles, was man ihnen auf “Funkenflug“ noch hätte vorwerfen können, konsequent ausgebessert und weiterentwickelt hat. Vielschichtige Texte, moderner und treibender Folk und melancholische Momente prägen ein Album, an dem es bei jedem Hören immer wieder neue Spielereien und Kniffe zu hören gibt. “Nordlicht“ ist spannend, abwechslungsreich und in jeder Hinsicht ein Volltreffer. VERSENGOLD setzen sich mit diesem Album gekonnt an die Spitze des Genres.

Tracklist

 1. Durch den Sturm
  2. Thekenmädchen
  3. De rode Gerd
  4. Küstenkind
  5. Der Tag, an dem die Götter sich betranken
  6. Winterflut 1717
  7. Erinnere dich (Ein Lied, das nicht vergisst)
  8. Butter bei die Fische
  9. Teufelstanz (+ Laura Fella)
10. Meer aus Tränen
11. Die Blätter, die im Frühling fallen
12. Weit, weit, weg
13. Braune Pfeifen
14. Wohin wir auch gehen

 

Versengold - Thekenmädchen (Offizielles Video)