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WarKings - Reborn 2018

Die Seelen von echten Kriegern dürfen nach einem ehrenvollen Tod neben ihren Göttern verweilen. So geschah es, dass sich vier der tapfersten Kriegshelden begegneten: ein römischer Tribun, ein wilder nordischer Krieger, ein strenger Kreuzritter und ein tödlicher Spartiat. Der Gottvater selbst war von dieser Begegnung so begeistert, dass er alle vier wieder zum Leben erweckte.

Fortan wurden sie die Warkings genannt und sollten puren und unverfälschten Heavy Metal als neue Religion verbreiten und die wahren Geschichten ihrer Taten unter die Menschheit bringen. Auf dem Debüt Reborn schmiedet der Vierer Stahl in der Tradition und Güteklasse solcher Legenden wie Helloween, Gamma Ray und Manowar       und das so packend und frisch, dass es sich selbst Mr. Debauchery nicht nehmen ließ, bei ‘Sparta‘ mit in die Schlacht zu ziehen.

Hinter den direkt mit dem Inhalt der Musik verbundenen historisch inspirierten Identitäten der Mitglieder stecken Namen, über die man als Genre-Fan früher oder später einmal gestolpert sein sollte. Allen voran natürlich Georg Neuhauser, der als (eine zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftige) Totenkopf-Maske tragender Tribun nicht nur das Gesangszepter der WARKINGS in den Händen hält – sondern sich vornehmlich durch seine langjährige Erfahrung bei SERENITY einen Namen gemacht hat. Und gerade das macht unter Umständen auch den größten Reiz eines Band-Projektes wie den WARKINGS aus. Anders gesagt: alle vier Beteiligten Musiker haben einiges an Können in Petto und können eigentlich nicht über einen Mangel an musikalischen Projekten klagen – und dennoch lassen sich kaum zweimal bitten wenn es um ein Projekt wie dieses geht, bei dem sie einmal mehr aus ihrem (musikalischen) Alltag ausbrechen können. Gut, vielleicht nicht wirklich mit der von den WARKINGS angepeilten Spielart, die sich eltztendlich kaum von einem problemlos als typisch zu bezeichnenden europäischen Power Metal abhebt – aber immerhin mit dem gleichermaßen martialischen wie witzlenden und unterhaltsamen Erscheinungsbild samt Gebaren, dass speziell für Georg Neuhäuser in einem krassen Gegensatz zu seinen zumeist etwas ernsthafteren und emotionaleren Darbietungen bei SERENITY stehen sollte.

„Reborn“ liefert haargenau das, was man sich erwartet,
wenn man die Sprache auf eher teutonisch geprägten Metal in der Schnittmenge von melodischem Heavy- und Powermetal bringt. WARKINGS kommen ohne Umschweife zur Sache und halten sich nicht mit ausufernden Intros auf, sondern riffen mit „Give 'Em War“ gleich knackig drauflos. Was vom Fleck weg auffällt, das sind einerseits die starke Gitarrenarbeit, die sowohl melodische Läufe als auch harschere Eruptionen perfekt transportiert, andererseits auch der starke Gesang. Hie und da blitzen im Verlaufe des Albums auch Orchestersamples auf („Never Surrender“), die aber angenehm im Hintergrund verbleiben und den knackigen Gitarren alle Freiheiten lassen. Zu einem guten Teil lebt das Album aber auch von extrem starker Gesangsleistung, die sowohl mit kräftiger, heller Powermetal-Stimme als auch überraschend gut harmonierenden, kratzig-derben Backings und mitreißenden Gangshouts überzeugen kann.

„Reborn“ kann sowohl stampfen und grooven wie in „Hephaistos“, als auch in bester Uptempo-Powermetal-Manier Ohrwurmen, wie der Titel „Gladiator“ eindrucksvoll beweist. Oft blitzt dabei der gute teutonische Qualitätsstahl durch, wie in „Holy War“ und „The Last Battle“; Trotz aller wohlbekannter Anleihen wird das musikalische Gebräu aber frisch und mit sichtlichem Elan und Spaß serviert. Der über weite Strecken des Albums in verschiedensten Abwandlungen zelebrierte Kontrast zwischen kräftigen, powernden Lead Vocals und dunkleren und harscheren Backings (besonders gut im schnellen „Fire Falling Down“ umgesetzt) drückt dem Album nachhaltig seinen Stempel auf. Lediglich in „Battle Cry“, das zwar mit stampfendem Groove gute Stimmung aufbauen kann, mag das Zusammenspiel nicht recht funktionieren, will sich doch der recht glatt geratene Refrain nicht so recht mit dem ruppigen Riffing der Strophen zusammenfinden. Wie Melodie und Härte perfekt ineinander greifen, das exerzieren die WARKINGS dann in der Hymne „Sparta“, die einerseits mit dem Gegrunze des Butchers von DEBAUCHERY himself ordentlich Schub gibt, als auch mit den „AOUH-AOUH“-Gangshouts Gänsehautatmosphäre zu kreieren weiß – und mit einem astreinen Ohrwurmrefrain und einer epischen Bridge genau die Menge an eingängigen Hooks dazwischen klebt, dass sich ein runder, extrem starker Song ergibt.

Ist man erst einmal tot, macht Heavy Metal gleich noch mehr Spaß! Zumindest, wenn man in seinem früheren Leben historische Schlachtfelder in Angst und Schrecken versetzte und seinen Thron nun gegen eine Bühne eingetauscht hat, um die sägenden Klänge einnehmenden Qualitätsstahls über die Welt der Lebenden zu bringen. Dass der Metal-Kreuzzug der vier Könige von Odin höchstselbst abgesegnet wurde, ist anhand der gebotenen Qualität, bei der man weder Songwriting noch Produktion bemängeln kann, leicht nachzuvollziehen. Und immerhin soll der Allvater Heavy Metal mögen – was einen angesichts der WARKINGS nicht verwundern sollte...

Tracklist

1. Give Em War (04:48)
2. Never Surrender (03:30)
3. Hephaistos (04:06)
4. Gladiator (04:17)
5. Holy Storm (04:25)
6. Battle Cry (04:24)
7. Fire Falling Down (03:37)
8. Sparta (03:27)
9. The Last Battle (04:36)
10. Die Flut (04:29)

 

WARKINGS - Gladiator (Official Video) | Napalm Records