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Whitesnake - Flesh & Blood (Deluxe Edition) 2019

Die Band um David Coverdale feiert ihren Vierzigsten mit einem neuen Album: “Flesh & Blood”.
Wer befürchtet hatte, dass mit dem Ausstieg von Main-Axeman Doug Aldrich das kompositorische Niveau bei Whitesnake in die Knie gehen würde, kann er­leichtert aufatmen. Dies liegt zum einen an Aldrich-Nachfolger Joel Hoekstra und dessen exzellenten Slideparts, vor allem aber an Gitarrist Reb ­Beach, dem von Boss David ­Coverdale deutlich mehr Verantwortung übertragen wurde. Und so entpuppt sich Beach, der bislang im Schatten seiner blonden Kollegen stand, als eine Art Rock’n’Roll-Aschenputtel, das – kaum trägt es goldene Schuhe – allen Kritikern die lange Nase zeigt und mit feinster Fingertechnik mächtig vom Leder zieht.
Über 40 Jahre stehen WHITESNAKE wie kaum eine andere Band für massenkompatiblen anspruchsvollen Hardrock der Extraklasse. Auch wenn Sängergott David Coverdale nicht mehr so hoch singen kann wie zu seinen Glanzjahren in den 80ern, mag er heutzutage mit etwas tieferer Stimmlage zu überzeugen.

Bereits der Opener Good To See You Again gefällt. Im besten Achtzigerjahre Stil geht es mit Gute-Laune-Hard-Rock voran. Auch der zweite Track Gonna Be Alright macht da nahtlos weiter. Also eigentlich nichts Neues, aber etwas moderner präsentiert. David hört sich frisch und jugendlich an, was bei 67 Lenzen schon eine respektable Leistung ist. Seine beiden Gitarristen zeigen, dass sie die gesamte Palette an unterschiedlichen Stilen beherrschen: Slide-, Akustik und fette Brett Gitarre wechseln sich ab. Das ändert sich auch in der Single Auskoppelung nicht. Hört man sich die Texte genauer an, da wird, wie noch vor 20 Jahren, über Wein, Weib und Gesang gesungen. Ob man das dem 67-Jährigen so noch abnimmt? Egal, es gefällt. Die Haare sitzen, die engen Jeans auch noch. Das passt alles zusammen. Damit erfinden sie das Rad nicht neu, aber das müssen sie auch nicht.

Hey You ist eines der ordentlich rockenden Stücke, das auch gut auf eine Ozzy Scheibe in den Neunzigern gepasst hätte. Always And Forever klingt leicht wie einer der so bekannten Songs, die in den Achtzigern in den Radiostationen rauf und runter liefen. Da kopiert sich der gute David leicht selbst und macht den Mainstream deutlich. Auch der nächste Titel geht in diese Richtung. Ein ruhigeres Stück, das durch die schöne Melodie überzeugt. Auch das ist radiotaugliche Mucke und kommt im Stil der Slide It In oder auch der 1987 Scheiben daher.

Nach dem ordentlichen Trouble Is Your Middle Name mit guten Soloeinsätzen von Reb und Joel, dem Titeltrack Flesh & Blood und dem Midtempo Stück Well I Never kommt eines meiner Highlights. Heart Of Stone, das mit knapp sieben Minuten Spielzeit auch auf einer Deep Purple Scheibe aus der Mark III Phase Platz gefunden hätte. Etwas getragener, eine tiefe Stimme, die sich höher schraubt und voller Gefühl singt. Sehr geiler Refrain, eine einsetzende Gitarre, die alles vergessen macht.

Das sich anschließende Gert Up wird dann wieder rasanter und liefert einen typischen Whitesnake Song. After All fängt mit akustischen Gitarren an, ist nur minimalistisch instrumentalisiert. Guter Chorgesang und eine einfache Melodie kommen locker aus den Boxen. Dann ist bereits der letzte Track dran. Sands Of Time wartet mit einer leichten Überraschung auf. Der orientalische Einschlag verleiht dem letzten Song eine düstere Grundstimmung, die aufzeigt, dass Whitesnake auch noch anderes können als den radiotauglichen Mainstream.

Den Fans von Whitesnake wird eine solide Platte geliefert, die genau das bereithält, was erwartet wird. Langhaarige ältere Männer, die in der Lage sind, gute Rockmusik bzw. Hard Rock zu spielen und dieses auch mit Freude und Inbrunst tun. Die musikalischen Qualitäten stehen ohne Zweifel weit oben und zeugen von Erfahrung. Wer hier Innovationen erwartet, wird vergeblich suchen. Wer sich eine gute Stunde gut unterhalten will, der ist hier richtig.

Tracklist

1. Good To See You Again
2. Gonna Be Alright
3. Shut Up & Kiss Me
4. Hey You (You Make Me Rock)
5. Always & Forever
6. When I Think Of You (Color Me Blue)
7. Trouble Is Your Middle Name
8. Flesh & Blood
9. Well I Never
10. Heart Of Stone
11. Get Up
12. After All
13. Sands Of Time

Bonus-Tracks

14. Can’t Do Right For Doing Wrong (Bonus Track – New Studio Song)
15. If I Can’t Have You (Bonus Track – New Studio Song)
16. Gonna Be Alright (X-Tendo Mix) – DVD Audio Track
17. Sands Of Time (Radio Mix) – DVD Audio Track
18. Shut Up And Kiss Me (Video Mix) – DVD Audio Track

Bandmitglieder:

Gesang – David Coverdale
Gitarre – Reb Beach
Gitarre – Joel Hoekstra
Bassgitarre – Michael Devin
Keyboard – Michelle Lupi
Schlagzeug –Tommy Aldridge

 

Flesh & Blood